Schwarzes Gold und offene Ohren

Seit anderthalb Jahren häng ich jetzt wieder an der Vinyl-Nadel – und seitdem hat sich einiges in meinem Hörverhalten geändert. Dabei meine ich jetzt nicht den Rezeptionsvorgang an sich – auch wenn sich da ebenfalls einiges getan hat 😉 Ich entdecke seitdem zunehmend Bands, die ich vorher nicht mal mit der Feuerzange angefasst habe. Und manchmal packt´s mich dermaßen, das ich in einen unvorstellbaren Kaufrausch gerate 🙂

Bei Muse war das zum Beispiel so – nie gehört, nie gemocht und plötzlich stehen alle Alben im Regal. Auslöser war „Muse – Live at Rome Olympic Stadium“, dass ich irgendwann bei „Pop around the Clock“ auf 3sat gesehen hatte. Ich mochte ihre Musik vorher nicht, aber das Konzert hatte mich gepackt – also war Ursachenforschung angesagt, inklusive einiger Tipps aus Foren. Und nach und nach war ich angefixt. Der ganze Prozess dauerte 3 Monat im vergangenen Jahr, und selbst die beiden letzten Alben – die ich zufällig Jahre zuvor als CD bekommen hatte – fingen an mir zu gefallen. „The 2nd Law“ ist einfach ein unfassbarer Knaller!

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Viel langwieriger und exzessiver war allerdings der gleiche Prozess mit Coldplay. Klar man kennt die Band, man hört sie im Radio, die Songs sind nie wirklich schlecht gemachte Popmusik – aber ein Album von denen? Kam mir nicht ins Haus! Meine erste „Feindberührung“ mit ihnen war 2002. Eine Freundin bat mich, ihr „A Rush of Blood to the Head“ bei Amazon zu bestellen, ich bekam die MP3-Version obendrauf. Hab auch mal reingehört, aber bis auf die Hits interessierte mich das Album einfach so ganz und gar und überhaupt nicht.

Bis 2015 war mit Coldplay für mich damit alles geregelt. Dann kam wieder 3Sat mit seinem PATC und dem „Ghost Sories“-Konzert… ich fand das Konzept gnadenlos toll und war begeistert. Allerdings nicht so sehr, dass ich jetzt auch nur ansatzweise Anstalten machte, etwas von Coldplay zu kaufen. Bis mir dann zufällig Anfang 2016 „A Head full of Dreams“ auf den Tisch flatterte – was für ein gnadenlos geiles Album! Allerdings noch immer kein Auslöser für mich, mir etwas weiteres von denen zu kaufen…

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Kennt ihr das, dass ihr beim Diggen seid, obwohl ihr gar nichts bestimmtes sucht, aber unbedingt was neues im Regal und auf dem Dreher haben wollt? Mann, das ist so ein schlimmer Zustand. Ich komm mir da immer wie ein Drogenabhängiger auf der Suche nach dem nächsten Schuss vor. So war das dann auch wieder mal wieder Ende Februar. Mir fiel dabei „A Rush of Blood to the Head“ in die Hände, und da es sonst nichts gab, habe ich die Scheibe mitgenommen. Wir kannten uns ja noch nicht, obwohl wir schon eine Vorgeschichte hatten 🙂

Und siehe da: all die Jahre hatte ich eigentlich gnadenlos tolles Album verpaßt! Manche Sachen brauchen bei mir wohl ihre Zeit… Kurz darauf erstand ich auch „Kaleidoscope“, die EP zum letzten Album. War ganz nett, hat mir jetzt aber auch nicht Schuhe ausgezogen. Eigentlich war dann alles gut, es setzte noch kein Kaufrauschfieber ein. Dann passierten allerdings vor drei Wochen zwei Sachen gleichzeitig: ein Freund schenkte mir „X&Y“ als CD. Und kurz darauf hatte unser Saturn hier eine „3 für 2“-Aktion in Sachen Vinyl.

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Ja, ich weiß auch, warum die das machen. Und das sie mich damit dazu bringen wollen, Sachen zu kaufen, die eigentlich gar nicht will. Von „brauchen“ reden wir erst mal gar nicht 😉 Allerdings animieren mich solche Aktionen immer zum „Special Diggen“, sprich: ich durchforste das gesamte Angebot nach Alben, die in der gleichen Preisklasse liegen, denn mal ehrlich: nimmst du zwei Alben für 50 € und für 10, machst du keinen Gewinn. Nimmst du drei für 17 Euro, kriegst du wirklich eins geschenkt. 34 statt 51€ zu zahlen halte ich für ´nen Deal 😉 Finde ich keine 3 Alben in derselben Preisklasse, lass ich die Finger davon.

Bei einer solchen Aktion erstand ich dann quasi „Parachutes“, kurz nachdem ich „X&Y“ gehört hatte, das ich übrigens für eines der durchschnittlicheren Coldplay-Alben halte. Auch wenn es gerade, während ich das schreibe, läuft. Dann legte ich „Parachutes“ auf den Teller…

Jemand, der die Band von Anfang an verfolgt hat, wird das Album mit Sicherheit anders wahrgenommen haben als ich. Ich hab quasi hinten angefangen, bin nach vorne gesprungen und in der Mitte hängen geblieben, als ich Coldplays Erstling zum ersten Mal hörte. Und ehrlich: mich hat das Album vor dem Hintergrund geflasht. Ich weiß nicht, ob es das Genre überhaupt gibt, aber das Teil ist ist für mich Prog-Pop vom Feinsten! Und ich liebe Prog! Also den „normalen“ 😉

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Das war der Punkt, an dem ich jetzt komplett angefixt war. „Viva la Vida“, „Mylo Xyloto“ und „Ghost Stories“ waren einfach binnen kürzester Zeit fällig. Und eigentlich reichte es bislang bei allen drei Alben nur für einen ersten Eindruck: „Viva“ – ok, „Mylo“ – überschätzt, „Ghost“ – toll! Aber ich kann mich ja jetzt entspannt zurücklehnen und in aller Ruhe der Musik widmen. Und das ist genau das, was sich an meinem Hörverhalten seitdem bei mir verändert hat – offener sein mit den Ohren und wieder entspannter Musik hören. Schwarzes Gold tut mir einfach gut 😉

 

3 Kommentare zu „Schwarzes Gold und offene Ohren

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