Die Entdeckung des Indie-Folk

So langsam nähern wir uns dem Ende des Jahres und damit fängt auch die Zeit an, wo man sich mal mit dem persönlichen musikalischen Rückblick beschäftigen kann. Schließlich stehen ja wieder die ganzen Top-Ten-Jahreslisten an – und wenn ich für jedes „ZEHN? Ich bräuchte wenigstens 50!“ einen Euro bekäme, wäre Weihnachten finanziert 😉

Doch es geht hier gar nicht um meine Top-10. Die pflege ich in aller Regel von Januar an. Im Laufe eines Jahres begegnet mir so viel interessante Musik, dass ich befürchte, ich würde Ende des Jahres irgendwas übersehen können. Es soll vielmehr um meine Entdeckungen des Jahres gehen…

Dass es in Sachen Musik immer wieder Neues zu entdecken gibt, sollte niemanden verwundern, der sich auch nur halbwegs interessiert mit dem Thema beschäftigt. Seit Frank Sinatra hat die populäre Musik so viele Facetten entwickelt – und ist immer noch dabei! – dass ein Verharren einfach unmöglich erscheint. Gut, es gibt die ewig Gestrigen, die immer noch glauben, dass nur in 60ern alles besser war – aber die bestimmen Gottseidank nicht den Lauf der Zeit. Sic!

rocknroll

Ich mochte z.B. nie U2. Bzw. dieses Prediger-Gehabe von Bono. Bis ich eines Tages feststellte, dass ich dafür ziemlich viele CDs von denen im Regal habe 😉 Das war so zu Pop-Zeiten. Danach war allerdings echt Funkstille, bis ich letztes Jahr anfing, ihre ersten Alben erstmals zu entdecken. „Under a blood red sky“ kannte ich, aber die Alben davor waren mir einfach durchgegangen. Ein Fehler, den ich zum Glück beheben konnte. Das war letztes Jahr…

Ihr kennt das bestimmt auch: man wühlt sich beim Diggen durch die Regale und plötzlich zerfetzt es einem den Augapfel, weil man auf ein Cover blickt, das einen sofort in Bann zieht. Im Guten wie im Schlechten. So ging es mir, als ich beim Stöbern auf  „A Blind Arcade“ von  All The Luck In The World stieß. Und ich weiß bis heute nicht, ob ich dieses atemberaubende  Artwork großartig oder einfach Scheiße finden soll. Aber wahrscheinlich macht genau das meine Faszination aus…

IMG_20180523_161139_582.jpg

Das Album wurde ein reiner Cover-Kauf, nachdem ich quasi wochenlang drum herum geschlichen war. Und ganz ehrlich: ich hab auch vorher nirgends reingehört – entweder ganz oder gar nicht…

Und was soll ich sagen: ich habe selten was Frischeres und Aufregenderes gehört. So eine Art Musik war mir bislang noch nicht begegnet. Also fing ich an, nach Infos über die Band zu suchen, und nach allem, was ich da so lesen konnte, gehören sie der Gattung Indie-Folk an. Aber was zum Henker ist den bitte Indie-Folk? Indie, ok. Aber mit Folk hat die Musik für mich eher nebensächlich zu tun, was wohl auch damit zusammenhängt, dass ich Folk einfach nicht mag. Und das wäre dann, zumindest gemessen an der Faszination für die Scheibe, hinten rum ein Zugeständnis gewesen. Geht ja gar nicht…

Zum Glück hatte die Band mit dem Namen, den ich mir nur schwer merken kann, nur noch ein Album vorab veröffentlicht, so daß mein Geldbeutel ob der spontanen Begeisterung nicht allzu gepeinigt wurde. Ein Umstand, der ein wenig später schon etwas schwieriger wurde…

_20180619_201606.JPG

Jemand empfahl mir, doch mal bei Alt-J reinzuhören. Ich hatte den Namen schon diverse Male wahrgenommen, sie aber in die Ecke „schwer gehypte Band die am Ende doch wieder nur Rock machen“ gesteckt – ohne auch nur einen Ton von ihnen zu hören. Ich kann da ein verdammt ignoranter Geschmacks-Nazi sein 🙂

Aber es gibt Menschen, auf deren Empfehlungen ich höre – auch wenn die diametral entgegengesetzt zu meiner Vorverurteilung laufen. Also hab ich zumindest mal online ein wenig reingehört. Nun ist es bei mir und online Musik hören so eine Sache: ich mag es einfach nicht! Dementsprechend zieh ich mir online nie komplette Songs rein, was auch nicht weiter schlimm ist: entweder machen mich die Snippets neugierig oder eben nicht. Bei Alt-J wurde ich neugierig!  Und mir sofort klar: das mußt du komplett hören, um dir ein Urteil zu bilden…

IMG_20180825_185531_122.jpg

Mein Einstieg in den Alt-J-Kosmos war ihr Erstling, „An Awesome Wave“. Einfach deshalb, weil das Album auf Vinyl am günstigsten zu bekommen war. Ich wollte das Restrisiko einfach niedrig halten. Aber ich war fasziniert! Vor allem, weil ich keine Worte finden konnte, um mir die Musik zu beschreiben. Aber ich wollte Orientierung, also Zack bei Wikipedia reingeschaut und was lese ich: Alt-J mach Indie-Folk. Schon wieder 🙂

Und genauso wie bei All The Luck In The World konnte ich auch bei Alt-J mit dieser Schublade so rein gar nichts anfangen…

Aprospos Schubladen: Wikipedia führt z.B. unter Rockmusik knapp 110 Genres an. In Worten einhundertzehn!  Die haben dann natürlich noch Subgenres und, und, und… auf so Sachen wie „Depro-Punk“, „Funeral Doom Metal“ oder „Post Stoner Garage Rock“ muss man natürlich auch erst mal kommen.  Ihr merkt es vielleicht schon – ich mag Kategorisierungen nicht. Denn am Ende des Tages gibt es doch nur zwei Kategorien, die wirklich ausschlaggebend sind: „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“!

wayne

Natürlich ist es toll, sich über Musik auszutauschen – aber ganz ehrlich: diese ganzen Kategorisierungen bringen dabei doch rein gar nichts. Wenn ich mir alleine auf Plattenbörsenbörsen anschaue, wie die Händler manche Bands einordnen, sehe ich den gesunden Menschenverstand langsam auf einem alten Esel durch die Wüste in den Sonnenuntergang reiten – ABC´s „Lexicon of Love“ stand letztens unter „Alternative“… In solchen Momenten wünschte ich, Zappa´s Geist würde erscheinen und „Über Musik zu reden ist wie über Architektur zu tanzen“ grunzen.

Doch ich schweife ab – eigentlich wollte ich ja nur sagen:

2018 ist für mich das Entdeckungs-Jahr des Indie-Folk! Auch wenn es den eigentlich gibt.

Und das Entdeckungs-Jahr von Coldplay. Die gibt es.

Und ebenfalls das Entdeckungs-Jahr  von Jonathan Wilson. Aber der macht ja Folk-Rock…

Danke für die Aufmerksamkeit.

2 Kommentare zu „Die Entdeckung des Indie-Folk

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: