Wer zu früh kommt…

Das Jahr fing vielsprechend an. Gleich zu Beginn erschien mit dem Album „Vier“ der Perfect Beings ein Hammer-Album, das mich sofort in den Bann zog. Einen Monat später kam das Solo-Album von Gleb Kolyadin, kurz darauf entdeckte ich „Rare Birds“ von Jonathan Wilson, mit dem ich mich dann auch ausführlicher beschäftigte. Kurzum: es war Anfang März und ich hatte schon drei Alben ergattert, die gute Chancen hatten, in meine Top Ten des Jahres einzuziehen. Und alle drei sind es auch 😍

Wie sagte ich zum Album der Perfect Beings so schön: „Wenn nicht Januar wäre, würde ich sagen: mein Album des Jahres!“

Natürlich kam viel interessante Musik in diesem Jahr heraus. Alte Bekannte wie die Dave Matthews Band, Yes oder Riverside lieferten ab. Neuentdeckungen wie The 1975, Long Distance Calling oder All The Luck in the World verlangten nach Aufmerksamkeit. Aber nichts kam auch nur ansatzweise an das Werk des Trios aus LA heran. Und vor wenigen Tagen hatte ich dann die Hoffnung auch aufgegeben und mich daran gemacht, meine Top-Alben Jahres für Instagram aufzubereiten.

Es kam natürlich, was kommen musste 🙄 und hätte es nichts mit der Dave Matthews Band zu tun gehabt, wäre mir ein Kleinod wahrscheinlich verborgen geblieben.

Nach ihrem Durchbruch in den USA machten sich DMB mit ihrem Hausproduzenten Steve Lillywhite daran, ein neues Album aufzunehmen. Dumm nur, das Dave Matthews damals alles andere als gut drauf war – seine Band mochte die Songs nicht, das Label ebenfalls nicht, die Aufnahmen verschwanden in der Versenkung.

Natürlich tauchten im Internet Raubkopien von den Aufnahmen auf, die als „The Lillywhite Sessions“ subsumiert wurden. Offiziell veröffentlicht wurde das Album nie, die meisten der Songs fanden ihren Weg aber doch noch nach draußen – teils neu aufgenommen für „Busted Stuff“, vereinzelt auf Live-Alben oder auf Daves Solo-Album „Some Devil“.

Auftritt Ryley Walker. Ich hatte nie vom ihm gehört, geschweige denn seine Musik. Zu den Vorbildern des aus Illinois stammenden Singer-/Songwriters gehört jedenfalls DMB – und quasi aus Ehrerbietung hat dieser Ryley Walker „The Lilliwhite Sessions“ neu interpretiert, aufgenommen und Mitte November veröffentlicht. Und kurz, nachdem ich meine Instagram-Vorbereitungen abgeschlossen hatte, stieß ich auf eben dieses Album. Fan-Liebe zu Dave, interessante Snippets und ein Cover, das allein schon jeden Kauf rechtfertigt, taten dann ihr Übriges 🤩

Ich weiß natürlich nicht, wie jemand auf das Album reagiert, der die DMB-Versionen nicht kennt. Aber das, was Walker da aus dem Ärmel zieht ist schon ein munteres Potpourri. Im positivsten Sinne!

Dass er mit Jazz spielt überrascht nicht wirklich, wenn man mal in seine normalen Alben reinhört. „JTR“ zum Beispiel: die ersten Minuten kommen vertraut rüber, bis dann alles in eine Improvisation umschlägt, die wahrscheinlich nur eingefleischten FreeJazz-Jüngern als Mainstream vorkommen kann. Aber auch nur, weil Walker den Bogen nicht überspannt.

„Diggin‘ A Ditch“ kommt als Rocker mit Punk-Attitüde um die Ecke. „Bartender“, einer meiner Lieblingssongs von Matthews wird mit Saxophon in epischer Breite ausgeritten. „Busted Stuff“ atmet einen Hauch von Post Rock und „Kit Kat Jam“ hat eh immer schon nach einer schmuddeligen Jazz-Bar geschrien. Und ich könnte hier jeden Song erwähnen – wichtig ist aber das Gesamtbild. Immer wieder wird man überrascht, auf eine neue Reise mitgenommen, zwischendurch mal ein wenig Erholung, dann fordert die Musik die ungeteilte Aufmerksamt und hinterlässt einen auch manchmal in ratloser Abscheu…

Schräg, vertraut, ein wenig kaputt und nie langweilig – das ist so eine Mischung, mit der man mir gerne kommen kann. Dumm ist nur: nach dem ersten Hören ist das Album definitiv Top 5 für mich in diesem Jahr! Das heißt erstens: ich darf für Instagram wieder alles neu machen 🤣 Und zum Zweiten: ich werde mir meine Top-Alben des Jahres und die „Lillywhite Sessions“ noch mal ganz in Ruhe zu Gemüte führen, um dann mein finales Ranking festlegen zu können.

Und ich glaube nicht, dass bis zum Jahresende noch mal was dazwischen kommt… 🤗

+++ UPDATE +++

Die Entscheidung ist gefallen 🙂

Meine Top 9 Alben (Neuerscheinungen) 2018

6 Kommentare zu „Wer zu früh kommt…

Gib deinen ab

  1. Von den Top 9 besitze ich nur „Play“ – wobei sich dabei natürlich die Frage stellt ob man die Veröffentlichung auch Album nennen darf ;-). Ansonsten sieht es bei mir, was Neuerscheinungen, abgesehen von Reissues, recht mager aus. Da sticht einsam „Arthur Buck“ herraus – neben der doch recht enttäuschenden Vinyl Version von „Best of the BBC“ von „R.E.M.“.

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      1. Sieht nicht nur so aus ;-). Die 8CD/DVD Box ist auf jeden Fall super :-D… Auf der anderen Seite sind allerdings auch einige neue Wiederveröffentlichungen und vor allem gebrauchte LPs ins Regal gewandert. Überwiegend nicht R.E.M. ;-). In diesem Jahr erstmals mehr Vinyl als silbernes Plastik – aber so ganz verabschieden kann ich mich davon nicht. Als 1983er Baujahr gibts aber für mich auch in der Vergangenheit noch reichlich neues zu entdecken.

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