Es lebe der gute Vorsatz…

Ich will dieses Jahr nicht mehr so viel Vinyl kaufen. Hab ich mir gedacht und mich kaum getraut, das als guten Vorsatz für das neue Jahr zu definieren. Ich habe es dann doch getan. Kurzzeitig. Dummerweise hab ich diesen Vorsatz zu Silvester geäußert. Im Keise von Vinylsammlern, die mich auch gut kennen. Es wurde viel gelacht…

Das Jahr ist zum Glück noch jung. Es könnte also noch was werden. Wenn ich vielleicht Silvester besser zu Hause geblieben wäre…

Wenn man sich mit ein paar Musik-Verrückten trifft, läuft irgendwie immer Musik. Mal hört man zu, mal läßt man einfach alles an sich vorbei rauschen und lauscht lieber den Gesprächen. Hauptsache, es ist gemütlich und vertraut, gerade an solchen Abenden. Ihr kennt das vielleicht – selbst wenn man sich überhaupt nicht auf die Musik konzentriert – manchmal fahren plötzlich die Antennen aus und fordern absolute Aufmerksamkeit. So auch an diesem Abend…

nur so am Rande: mir fällt gerade auf, dass alle Absätze mit „…“ enden…

Foto: Marc Jülicher (der ist an allem hier Schuld 🙂 )

Irgendwann lief halt dieses Album, das meine Antennen ans Vibrieren brachte: Throes of Dawn – Our Voices Shall Remain. Es brauchte keine 10 Sekunden, wo ich mich in einem inneren Kampf und Konflikt befand. Denn das, was ich da hörte faszinierte mich vom ersten Augenblick. Und selbst in solchen Momenten kann ich mich auf eine gewisse Selbst-Disziplin verlassen. Erst mal eine Nacht drüber schlafen, ein wenig über die Band recherchieren, mal in das ein oder andere Stück reinhören. Das wurde zu dem Zeitpunkt schwierig. Zum Glück…

Ich hatte gerade meinen vermeintlich guten Vorsatz geäußert. Doch die Vorstellung, auf Grund der Reaktionen meiner Antennen diesen baldmöglichst zu brechen, widerstrebte mir. So blieb mir nur eins: die Amazon-App zu öffnen, zu suchen, zu finden, zu bestellen. Schließlich war ja so gerade noch 2018, was meinen inneren Schweinhund bezüglich meiner guten Vorsätze ungemein beruhigte. Und das war gut so….

Am nächsten Tag folgte das, was normalerweise VOR einer Bestellung passiert: Recherche. Ich las von Dark Metal-Band, Black Metal, Doom Metal, oder Dark Wave bezüglich der Band – alles Schlagworte, die mich normalerweise dazu veranlassen, sofort und augenblicklich das Weite zu suchen. Aber dafür war es ja zu spät. „Warum hast du die Bestellung nicht einfach storniert?“ Gute Frage. Manchmal hör ich halt einfach auf meinen Bauch. No risk, no fun.

Amazon hatte das Teil dann trotz der ganzen Feiertage schnell auf den Weg gebracht. Einer der Gründe, warum ich das große A mag. Mögen andere es verteufeln, ich werde nicht dazu gehören. Das Päckchen kam an, wurde ungeduldig aufgerissen – was ich sah, hatte allerdings nichts mit dem zu tun, was ich da bestellt hatte…

Kennt ihr Vinila von Bismark? Wer jetzt „ja“ sagt, hat meine volle Hochachtung 😉 Ich hatte jedenfalls nie davon gehört. Und das Cover sah noch nicht mal im Ansatz danach aus, als ob die Musik irgendetwas Entferntes mit dem zu tun haben könnte, was ich da bestellt hatte. Gut, die Enttäuschung war in dem Moment groß, aber als alter Amazon-Kunde war mir auch klar, daß sich das Problem ohne großen Ärger aus Welt würde schaffen lassen.

Ich wollte allerdings wissen, was hinter diesem spanisch anmutenden Cover steckte. Ich stieß auf Begriffe wie Burlesque, Flamenco und Jazz, aber im selben Atemzug auch auf Schlagworte wie Rock, Punk und Dead Can Dance. Und damit war meine Neugier geweckt. Zumal sich das Risiko auch in Grenzen halten würde – schließlich hatte ich die Bestellung ja 2018 aufgegeben, und wie bereits vorab bemerkt: no risk, no fun.

Um es kurz zu machen – ich habe mich in dieses Album verliebt. Auch wenn es eigentlich gar nicht meine Musik ist, aber dieser Mix ist so ungewöhnlich, dass ich es nicht über´s Herz brachte, das Album zurück zuschicken. Außerdem hätten die bei Amazon bestimmt Spaß, wenn eine falsche Lieferung mal zur Abwechslung behalten wird. Die Ersatzlieferung war unterwegs, sie kam an und ich hatte schon ein komisches Gefühl… ja, es war wieder Vinila von Bismark…

Da da wohl ein Fehler im System vorlag, wurde die zweite falsche Scheibe zurück geschickt, die erste behalten und die Throes of Dawn über discogs bestellt, direkt beim Label „The Vinyl Division“. Auch wenn ich das merkwürdig fand, dass eine finnische Band ein Label in Spanien hat. Die Vinyl-Ausgabe war 200 Stück limiert, das Album war 2016 erschienen – und die hatten noch welche!?!? Und meine war noch lange nicht die letzte! Ich begann langsam, an meinen Antennen und meinem Bauchgefühl zu zweifeln – und von der Initialzündung bis zum Erhalt des Albums waren mittlerweile auch über zwei Wochen vergangen. Genug Zeit also, um sich langsam verrückt zu machen…

Als das Album – das richtige!!! – endlich da war und den Weg auf meinen Plattenteller fand, erlebte ich etwas, dass ich bislang noch nicht kannte. Gleichzeitig zogen die Erwartungen, verursacht durch meine Antenne, in einen Feldzug gegen meine Recherchen. Ich war mir jedenfalls überhaupt nicht mehr sicher, was da jetzt auf mich zukommen würde. Und um es kurz zu machen: „Our Voices shall Remain“ ist ein tolles Album! Gut, irgendwann setzte im zweiten Stück das metal-typische Gehämmer mit dem Bouble-Bass ein – das war der Punkt, an dem meine Zweifel wieder hochkamen. Aber zum Glück war´s nur kurz. Und nur einmal. Da kann ich mit leben 😉

Viel erstaunlicher fand ich allerdings einen Gedanken, der mich beim Anhören immer wieder beschlich: wie würde das Album klingen, wenn Alan Parsons seine Finger daran gehabt hätte? Fans der Band werden jetz wohl angewidert mit dem Kopf schütteln – aber ernsthaft: da, wo die Throes bräsige Gitarrenwände aufbauen, wäre á la Parsons ein VCS3, ein Orchester und ein Taurus zum Einsatz gekommen. Was nicht unpassend wäre: viele Melodiebögen und Harmonien haben was Parsoneskes. Die Arrangements halt nicht – was der Musik aber keinen Abbruch tut, denn ein guter Song ist ein guter Song!

Und vor allem: ich werde mich weiter mit dem Album beschäftigen. Denn bei einem durchhören läßt sich die Musik in dem Fall für mich gar nicht erfassen. Und irgendwann spiele ich das Album der Throes und das von Vinila von Bismark hintereinander. Das könnte dann ein lustiger Abend werden 🙂

Ach ja: meine Mutter meinte übrigens kurz vor dem Jahreswechsel: „Ich habe keinen guten Vorsätze. Ich find mich geil, so wie ich bin.“

Kann man so stehen lassen.

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