Digitales Diggen

Bald ist wieder RSD und es heißt „support your local record dealer“. Wobei wir wirklich Vinyl-Wahnsinnigen den Dealer ja nicht nur an einem Tag supporten. Als ich wieder vinylsüchtig wurde, hatte ich den Eindruck, daß sich die Fans des schwarzen Goldes in zwei Lager teilen: die, die in den Laden gehen und die, die lieber online einkaufen.

In Foren las ich immer wieder Formulierungen wie „hab ich beim großen A kaufen müssen“ oder „leider nur in der Bucht gefunden“. Es hat übrigens ein wenig gedauert, bis ich begriffen habe, dass damit Ebay gemeint war 😂 Erstaunlich fand ich auch immer, dass die analogen Puristen über die Online-Händler immer digital, also im Netz hergezogen. Kann man natürlich machen. Aber wer sein analoges Hobby auch beim Kauf „analog“ betreibt und über den „Feind“ digital herzieht, hat für mich zumindest auf philosophischer Ebene mächtig einen an der Klatsche.

Als ich angefangen habe, in jungen Jahren Alben zu kaufen, gab es online noch gar nicht. Im Vergleich zu heute war alleine die Informationsbeschaffung schon schwierig. Von der Beschaffung der Hardware mal ganz zu schweigen. Das ist heutzutage dagegen ein Kinderspiel. Kaum hat man irgendwoher einen Tipp oder eine Info, kann man kurz reinschnuppern und dann bei Bedarf in die Wunsch- oder Suchliste verfrachten, um sich dann später ein differenzierteres Urteil bilden zu können.

während ich schrieb…
12 Uhr bestellt, um 18:30 Uhr geliefert ♥

Natürlich kaufe ich online. Des öfteren bei JPC, manchmal bei Discogs, ziemlich selten bei Ebay, aber vor allem bei Amazon. Ich bekomme da i.d.R. das MP3-Album dazu (für den Stick im Auto!!!), die haben einen unglaublichen Service – zumindest für Prime-Kunden – und liefern manchmal schneller als die Post erlaubt. Wenn die das noch mit den Drohnen hinbekommen, wird´s glaube ich unheimlich 🤣 Für den „Muss ich jetzt unbedingt haben“-Teufel in mir jedenfalls einfach zu verführerisch. Manchmal ist JPC allerdings schneller als Amazon, vor allem bei Neuerscheinungen, die das große „A“ über Drittanbieter verkauft. Ansonsten tun sich die beiden in Preis und Service eigentlich nicht viel. Bis auf die MP3s… #WinkMitDemZaunpfahl 😉

Und diggen? Natürlich, denn diggen ist gut für die Seele ♥

Ich lebe in Bergisch Gladbach und seit ungefähr zwei Jahren hat der örtliche Saturn auch wieder eine Vinyl-Abteilung. Das klingt jetzt nicht gerade romantisch, aber es ist dort der einzige Ort, wo man hier mal Vinyl stöbern kann. Meistens Samstags, einfach so. Hin und wieder werde ich auch da fündig, das sind aber meist Schnäppchen. Das Angebot ist überschaubar, aber es geht ja auch mehr um den Prozess als solchen. Das was ich suche ist meist eh nicht vorrätig. Und der Hinweis „Das können wir bestellen, wär dann Mittwoch da“, quittiere ich noch nicht mal mehr mit einem müden Lächeln. Bestellen, mein Lieber, das kann ich auch. Und mit ein wenig Glück ist die Scheibe heute abend da.

Pop Art

Sprich: wenn ich wirklich diggen will, muß ich mich ins Auto setzen. Und dann fahre ich nie ins nahe gelegene Köln. Köln hat zwar viele Läden, die aber alle sehr spezialisiert sind. Und der einzige Laden mit einem Rundum-Angebot… ich formuliere es mal so: man kommt rein, wird gemustert und man fragt sich, in welchem dunklen Verlies man die Aufnahmeprüfung in Sachen Vinyl ablegen muss, um überhaupt würdig zu sein, den Laden betreten zu dürfen…

Da fahr ich dann doch lieber nach Wuppertal ins Pop Art. Ein knuffiger Laden mit einem Angebot knapp an meinem üblichen Musikgeschmack vorbei. Sprich: es gibt immer was zu entdecken! Natürlich gibt´s dort Neuware, aber auch etliche 2nd Hand-Scheiben. Und man sollte auch immer mal einen Blick unter die Regale werfen 😉 Vor allem ist der Laden sehr „familiär“ – irgendjemanden, den man kennt, trifft man da immer am Wochenende. 🤗

Sounds

Wenn ich die Familie am Niederrhein besuche, versuche ich immer, einen Abstecher ins Sounds in Venlo einzuplanen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich das Angebot im Vergleich zu hiesigen Läden unterscheidet. Und das nicht nur bei Angeboten! Auf die sollte man vor allem achten, denn i.d.R. ist Preisniveau in Holland ein wenig höher. Dafür hat man dort Neuerscheinungen von „Music on Vinyl“ gleich mehrfach griffbereit, wogegen selbst Amazon da manchmal etwas mehr Zeit braucht. Das liegt zum einen zwar in der Natur der Sache – aber JPC kriegt das ja auch gebacken 😉

Concerto

Aprospos Holland: Immer wieder ein Highlight ist der Concerto Recordstore in Amsterdam. Das Angebot dort ist unglaublich und wenn man den Laden von außen sieht, glaubt man nicht, wieviel da drin steckt. Das ich ein Faible für holländische Läden habe liegt nicht nur an der geographischen Nähe – die haben da immer am Sonntag auf! Und es gibt nichts Tolleres, als fernab vom Alltagsstress sich schön in Ruhe sonntags seinem Hobby zu widmen. Das Dumme ist nur: diese sonntägliche Gemütlichkeit verführt natürlich auch zu etwas umfangreicheren Enkäufen… 🥴

Rille

Und wen es mal in die Schweiz treibt – Die Rille in Würenlingen ist ein Knaller. Hell, geräumig, übersichtlich sortiert, mit eigenem Wasch-Service. Außerdem mit einer großen Auswahl an audiophilen LPs. Das Ohr isst ja schließlich mit! Und einen guten Kaffee gibt´s da auch ☕ Den Laden habe ich mal bei einem Aufenthalt in der Schweiz entdeckt. Natürlich für mich ein wenig weit weg vom Rheinland, um dort regelmäßig vorbei zu schauen, aber eine Empfehlung allemal!

Natürlich treibe ich mich auch auf Börsen rum, zumindest zu Beginn der wieder aufgekeimten Sammler-Leidenschaft. Das hat sich allerdings mittlerweile gelegt. Zum einen, weil die immer gleichen Händler die immer gleichen Alben anbieten. Und ich gehöre definitiv nicht zu den Sammlern, die von einem Album alle Pressungen aus jedem Land in jeder Farbe brauchen 🙂 Und zum anderen habe ich das Gefühl, die Händler haben den Schuss noch nicht gehört – die Preispolitik, die da größtenteils gefahren wird, entbehrt jeder Grundlage. Aber wie immer gilt auch hier: die Frage ist nicht, ob mir eine LP zu teuer ist – die Frage ist, was sie mehr wert ist! Und es gibt auch auf den Börsen löbliche Ausnahmen!

Ihr seht: für mich gibt es kein entweder oder – it all depends on the jeweilige Stimmungslage ♥

BTW – beim RSD ist in diesem Jahr nichts, aber auch wirklich nicht mal ein Tönchen für mich dabei. Der 13. April wird sehr entspannt 😉

4 Kommentare zu „Digitales Diggen

Gib deinen ab

  1. Ich kenne das Problem. Hier in Bremerhaven gibt es neben Saturn (wenig), einem Totaal-Markt (sehrt wenig) und dem Media Markt (mittel) kein neues Vinyl, abgesehen vom großartigen Cashmir-Records, wo es allerdings „nur“ gebrauchtware gibt. Ich stöbere gerne nicht digital, kaufe aber auch online. Das Problem ist vor allem, dass die neuen Scheiben im Saturn und Media Markt fast immer teurer sind als online, sogar in ihren eigenen Online-Shops sind sie günstiger. Von daher sehe ich meist vom Kauf ab.
    Bei Amazon bestelle ich allerdinsg nur wenn ich muss, ich mag die Läden in der Nähe, vor allem in der Mittagspause. Bei gleichem Preis bestelle ich also bei Media-Markt oder Saturn. Das der Versand etwas länger dauert ist OK.

    Gefällt 1 Person

      1. Der Unteschied zwischen Laden (Saturn) und online (Saturn) sind oft 3-4€, von daher kaufe ich eher selten vor Ort – Ausnahmen bestätigen die Regel. Manchmal muss es einfach sofort sein. Doof ist allerdings, dass die Platten beim Saturn quer im Regal stehen, nicht mit dem Cover nach vorn, was das stöbern schon sehr erschwert, eher subotptimal ist. Ich kann mir da keinen Reim drauf machen, habe ich noch nirgendwo anders so gesehen. Gerade die Cover machen doch einen großen Teil der Faszination Schalttplatte aus. Die Seiten sind oft kaum lesbar – CDs stehen doch auch nicht quer im Regal?

        Gefällt 1 Person

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