Der undefinierbare Fickfaktor

Das erste Quartal des Jahres ist vorbei und ich stelle mit Erschrecken fest – es gab noch keine Neuerscheinung in diesem Jahr, die mir die Schuhe ausgezogen hätte. Letztes Jahr war das um diese Zeit gaaaanz anders. Gleich im Januar hatten die Perfect Beings mit „Vier“ einen echten Knaller rausgehauen. Das Schöne war, dass ich die Band bis dahin gar nicht kannte – und trotzdem landeten sie in meiner Jahres-Hit-Liste auch am Ende auf Platz 1.

Auch bei den neuen Alben von Gleb Kolyadin im Februar (Ende des Jahres dann auf Platz 3 gelandet) und Jonathan Wilson im März wußte ich gleich – das könnte Top 10-mäßig was werden. Auch das neue Album von David Byrne war toll, am Ende reichte es aber nicht für ganz oben… In den Folgemonaten war ja aber auch noch so einiges los.

Ich führe ja gerne das ganze Jahr über eine Liste, um am Ende nicht lange überlegen zu müssen, was denn meine Top-Alben waren. Für 2019 hab ich bislang noch nicht einmal eine Liste angelegt…

In diese Liste kommen nur Neuerscheinungen, keine Reissues! Sonst müßte da auf jeden Fall U2´s „New Line on the Horizon“ rein. Von deren fünf Alben in den letzten 20 Jahren war das erst das Zweite, für das mich – wenn auch mit 10 Jahren Verspätung – begeistern konnte. Auch Riversides „Rapid Eye Movement“ hab ich dieses Jahr erstmals gehört, ebenfalls ein tolles Album. Zumal ich mich in den letzten Jahren ja durchaus als Fan dieser Band bezeichnen kann. Auch wenn ich deren früheres Oevre bislang außer Acht gelassen habe. Im Fall von „Anno Domini…“ wäre das auch besser so geblieben 🙂 Top-10-mäßig würden beide Alben auf der Liste landen, aber neu geht halt anders…

Es gab auch tolles Neues in diesem Jahr – zumindest auf Vinyl 😉 – das mich schwer begeistert hat. Der Soundtrack zu „Bohemian Rhapsody“ ist eine der besten Queen-Compilations, die ich kenne. Mal abgesehen von den „Live Aid“-Aufnahmen ist vor allem der Song von Smile da ganz großes Kino ♥ Oder auch die Vinyl-Box von Tom Petty: eigentlich „nur“ ein Best-Of, aber toll zusammengestellt und das Vinyl ist von Pressung und Klang hervorragend. Aber bei beiden kann ich nich einfach nicht durchringen, dazu „Neuerscheinung“ zu sagen – sind ja nicht wirklich neue Songs drauf 😉 Ok, bis auf einen…

Die „echten“ Neuerscheinungen in diesem Jahr sind dagegen eher rar gesät bei mir. Steve Hackett´s „At the Edge of Light“ ist bestimmt kein schlechtes Album – allerdings war da dieser tolle Vorgänger „Night Siren“. Und dagegen wirkt der Neuling dann ein wenig wie ein Abklatsch. Die Plattenfirma wollte wohl schleunigst einen Nachfolger, da „Night Siren“ sich ja nun wirklich schlecht verkauft hatte. Und das merkt man dem neuen Album leider ein wenig an.

Joe Jackson hat mit „Fool“ mal wieder ein tolles Album abgeliefert – aber am Ende des Jahres Top 10 – ich glaub da nicht dran. Zwei Alben sind bei mir ungewöhnlich, da sie im Jazz beheimatet sind: Randy Brecker mit „Rocks“ und Nils Landgren und Konsorten mit „4WD“. Bei Jazz gibt es nicht so viel, dass mich anspringt, aber die zwei tuen es. Allerdings: so ein Flash wie die oben genannten Alben von 2018 haben die jetzt auch nicht bei mir ausgelöst.

Bislang sind The Mute Gods mit „Atheists and Believers“ mein Jahres-Highlight. Zumal ich die Band erst im letzten Jahr entdeckt hatte. Ich war mit Album 2 eingestiegen, das ich nicht so ganz ins Herz schließen konnte. Dennoch hatte ich mir dann noch ihr Debüt gegönnt – das war schon deutlich ansprechender. Und das neue Werk hat all die guten Eigenschaften der beiden Vorgänger vereint. Aber im vergangenen Jahr wäre damit die Top 10 für das Album schon schwer geworden. So richtig fickt es nicht…

Und da ist er, dieser undefinierbare Fickfaktor. Manchmal hörst du ein Album, oder vielleicht auch nur einen Song, und der packt dich direkt. Kopf, Herz, Bauch oder Lenden – mit ein bißchen Glück auch gleich mehrere Körperregionen. Mit ganz viel Glück sogar alle 😉 Du schreckst auf, fixierst deine gesamte Aufmerksamkeit auf einmal auf dieses eine Stück Musik und kannst eigentlich gar nicht klar definieren, warum. Ich liebe solche Momente, vor allem, wenn sie dich vollkommen unerwartet treffen.

Das war bei Godley & Creme´s „L“ so. Oder bei Porcupine Trees „In Absentia“. Oder bei „The Rising Tide“ von Sunny Day Real Estate. Alles Alben, die ich in jeder Gemütslage hören kann, die nie „zu viel“ werden und immer wieder meinen Weg kreuzen. Und genau das fehlt bislang in diesem Jahr. Aber wir haben ja noch gut neun Monate vor uns – das kann also noch was werden 😉

UPDATE:

Kaum hab ich den Artikel geschrieben, fällt mir das neue Album von Bruce Hornsby in die Hände. Maximaler Fickfaktor !!! ❤️ Hört mal rein – das ist ganz weit vorne 👍


5 Kommentare zu „Der undefinierbare Fickfaktor

Gib deinen ab

  1. In letzter Zeit hinke ich den Neuerscheinungen auch hinterher… auf den Soundtrack von „Bohemian Rhapsody“ verzichte ich, weil „Aus Alt mach Neu“. (Die BluRay muss ich mir aber noch kaufen.) Aber das zweite Quartal 2019 dürfte für mich interessant werden: Kiefer Sutherland, Little Steven und Nils Lofgren. Und irgendwann in der zweiten Jahreshälfte (oder doch früher) wird das neue Album von Patent Ochsner erscheinen und wenn ich mich nicht irre, dann auch die neue von Thees Uhlmann.

    Damit wäre ich für 2019 ausgesorgt *lach*

    Gefällt 1 Person

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