Hallo, mein Name ist Axel und ich bin vinylsüchtig

Ein Tag ohne Musik ist irgendwie ein verlorener Tag. Und sei es nur, einfach in einem Plattenladen ein wenig rumzusuchen. Manchmal treibt es mich da allerdings förmlich hin – ein Ziehen im Bauch verlangt nach mehr schwarzem Gold. Und gerade in Phasen, wo ich weiß, dass es nichts interessantes Neues gibt, zieht es besonders 😉 Das Dumme ist: irgendwas findet sich meist immer…

Neulich war ich ich wieder in einem Laden, suchte nichts Besonderes, einfach mal schauen. Unter den Angeboten stand Grönemeyers „Bochum“ neu zu einem guten Tarif. Ich holte sie raus, betrachtete sie, überlegte, da ich sie als CD zu Hause hatte und jetzt auch nicht so oft höre, stellte sie zurück und ging wieder. Ich war ein klein wenig stolz, hatte ich doch der Versuchung widerstanden. Zu Hause angekommen war es natürlich die Gelegenheit, die CD rauszuholen. Sie war nicht da.

Manchmal verliere ich die Übersicht über meine Sammlung. Nicht wirklich, aber gefühlt. Seit über 50 Jahren interessiere ich mich für Musik, will sie hören, will sie haben. Ich kenn das gar nicht anders. In diesen 50 Jahren gab es allerdings zwei einschneidende Erlebnisse. Als Anfang der 80er die CD sich etablierte, hatte ich kurz entschlossen meine Plattensammlung verkauft und fing mit den silbernen Scheiben von vorne an. Mich hatte diese ganze Geknistere und Geknackse eh immer genervt.

Erlebnis Nummer zwei: während meiner Zeit als Musikjournalist wurde ich mit CDs zugeschüttet. Ein paar waren dabei, die ich sehr mochte, das meiste war jedoch Schrott. Meine Nichte war immer froh, wenn ich ihr haufenweise CDs mitbrachte. Und trotzdem sammelte sich da eine Menge Zeug bei mir an. Ich hab sie alle gehört, aber em Ende bedeuteten sie mir nichts. Als es zuviel wurde habe ich kurzerhand alles aus meiner Sammlung eliminiert, was mich einfach kalt ließ. Von ca. 2.000 CDs blieben am Ende etwa 700 übrig. Grob geschätzt. Ich hab sie nie gezählt.

Genau deshalb glaube ich aber auch, bestimmte Alben zu haben, obwohl sie gar nicht mehr bei mir stehen. Gerade bei dem Grönemeyer-Album erstaunlich, denn eigentlich mag ich das Album. Das war einfach der Knaller, als es 1984 erschien. Damals hatte ich Grönemeyer noch im Alten Wartesaal in Köln gesehen – ja, der hat damals kleines Besteck gespielt 🙂 Die Band stand und schwitzte vor einem, war zum Greifen nah und herrlich laut! Jetzt sind es halt Riesenhallen und Stadien – ich mag das nicht mehr, zu den Ticket-Preisen mit 25.000 anderen auf eine Video-Leinwand zu starren, um überhaupt was zu sehen. Wartesaal war schon geil ♥

Kürzlich hatte ich mir die „Malice in Wonderland“ von Paice, Ashton & Lord geholt. Zum ersten Mal in meinem Leben, und bei manchen Anschaffungen frage ich mich, warum ich erst jetzt darauf komme, mich für dieses oder jene Album zu interessieren. Aber egal – solange man ein tolles Album erwischt, ist es eigentlich eagl, wann man es für sich entdeckt. Jedenfalls habe ich mich dann mit der Geschichte des Albums beschäftigt und stieß darauf, dass Purple zu der Zeit gar nicht existierte und erst wieder 1984 mit „Perfect Strangers“ aus der Versenkung auftauchte.

„Könntest du auch noch mal auflegen, Axel“, war mein erster Gedanke. Also hopp zum CD-Regal und – tja, ebenfalls nicht da. Ich mag Purple, vor allem mit Herrn Blackmore. Und vor allem in der legendären Mark II-Besetzung. Ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, wie sich das Album aus meiner Sammlung entfernen konnte… Schon wieder. Schon wieder ein Album von 1984. Und als ich „Bochum“ holte, stand „Perfect Strangers“ neu im Fach für Angebote. Was soll ich sagen… ich konnte nichts dafür 😉

Es gibt jetzt bestimmt Zeitgenossen, die mir eine Archivierung via Discogs nahe legen werden. Aber ich mag diesen buchhalterischen Umgang mit so etwas Emotionalem wie Musik nicht. Zum Recherchieren oder Einkaufen ist Discogs toll – aber hätte ich diese Hin und Her mit den hier aufgeführten Platten so erfrischend erlebt, mich so über die Wiederentdeckung gefreut, wenn ich einfach bei Discogs nachgeschlagen hätte?

Jetzt, wo ich beide Alben nach einer gefühlten Ewigkeit noch mal gehört habe, verstehe ich es noch weniger, warum ich die jemals aus der Hand gegeben habe. Gut, Grönemeyer hat mit „Mensch“ und „Tumult“ mittlerweile deutlich interessantere Alben rausgebracht – aber „Bochum“ hat halt seinen emotionalen Reiz für mich gehabt, und selbst die B-Seite kommt jetzt besser bei mir an. Und die Scheibe klingt toll!!! Und die „Perfect Strangers“? Man merkt den Herren an, dass sie damals einer Erwartung bei den Fans unbedingt gerecht werden wollten. Aber erstens darf das Albung in einer ansatzweise vollständigen Purple-Sammlung nicht fehlen und „Mastered by Sterling Sound“ ist für mich immer ein Kaufargument 😉

Übrigens: in meinem LaMös stehen jetzt 441 Vinyl-Alben. Ja, die zähle ich. Denkt, was ihr wollt, ich bin eh vinylsüchtig 🙂

3 Kommentare zu „Hallo, mein Name ist Axel und ich bin vinylsüchtig

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  1. Was bin ich froh, dass ich mich von meinen LPs nie getrennt habe und innerlich dem Schnösel einen Vogel gezeigt habe, der voller Verachtung im Laden verkündete, CDs seien das Medium der Zukunft und Vinyl sei tot.

    Geglaubt habe ich diese Prophezeihung nie, und jetzt freue ich mich über Neuveröffentlichungen auf Vinyl, und vor allem auf solche, die es auch in der farbigen Version gibt – von Alben, die mir in meiner Sammlung noch fehlen.

    Eine pinke „Frank“ von Amy Winehouse hat auch was, und eine weinrote „unforgettable fire“ von U2 auch.

    Gefällt 1 Person

  2. Als ich eine verliehene LP wiederbekam, war die gesamte Hülle, das Cover, total verknittet, weil ein Trollo im Haushalt meiner Freundin sich einfach da draufgesetzt hatte, der Schussel. Zum Glück ist der Platte nix passiert.

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