Geschichten, die das Vinyl-Leben schreibt…

Ja ich weiß – ich hab lange nichts von mir hören lassen. Aber wie das manchmal so ist: es will nicht immer so, wie man gerne möchte. Beim Schreiben ist es bei mir so: entweder es fließt, oder ich lass besser die Finger davon 😉 Hin und wieder hat es mich gepackt, aber am Ende sind die Stories mittendrin verreckt. Oder das, was eigentlich sagen wollte, machte plötzlich keinen Sinn mehr…

Ich hab mich jetzt dazu entschlossen, mit dem neuen Jahr auch wieder neu anzufangen. Allerdings waren einige Entwürfe durchaus lesenswert, auch wenn ich sie nicht beendet habe. Deshalb gebe ich euch einen kleinen Einblick, was da noch so auf Halde lag, bevor ich mich Neuem zuwende. Zum Beispiel gab es einen Post bei Instagram, der mich Ende des letzten Jahres zu einem etwas anderen Jahresrückblick bewegte.

Da meine Album-Top Ten in Stein gemeißelt waren, kam mir die Idee, eine „private“ Top Ten zu machen. Mit Platten, die in diesem Jahr den Weg zu mir gefunden haben und mit schönen, lustigen oder bemerkenswerten Erinnerungen verbunden sind. Oder Begegnungen.

Die wohl lustigste Geschichte für mich gab´s gleich zu Beginn des Jahres 2019 mit der großen Amazon-Verwechslung 🙂 aber die hab ich euch ja schon hier erzählt…

Kommen wir zu Kansas. Es war der 13. April, und eingefleischte Vinylisten wissen: Record Store Day! Nach zweieinhalb Jahren des Wiedereinstiegs in die Vinyl-Welt weiß ich, dass man da nicht mehr aufgeregt sein muss. Die vorab veröffentlichte Liste war für mich uninteressant, irgendwo findet man die Scheiben eh wieder und meist sogar preiswerter – es gab also keinen Grund, sich stressen zu lassen…

Wir haben uns mit vier Jungs in Frankfurt/M. getroffen. Einer hatte eine Tour durch sechs Vinyl-Läden organisiert und die haben wir dann bestens gelaunt abgeklappert. Den ganzen Tag! Natürlich mit kulinarischen Pausen. Das Wetter war toll, die Stimmung gut und wir sind quasi einmal quer durch die Frankfurter City gestiefelt.

Ich war gerade in so einer Frühwerk-von-Kansas-Wiederentdeckungs-Phase und fand in einem Laden ein ganz gut erhaltenes Exemplar von „Monolith“. Ich war da schnell und einfach glücklich zu machen 😉 Kurz bevor wir wieder los wollten entdeckte ich ein Fach mit Raritäten in dem Laden, das mir bislang verborgen geblieben war. Da die anderen noch am wühlen waren, stöberte ich dadurch und fand die Scheibe noch mal. Als Japan-Pressung. In Mint. Fünf euro teurer als die gebrauchte Scheibe, die ich in Händen hielt und die definitiv nicht Mint war. Ich traute dem Braten zwar nicht, aber ihr seht ja das Ergebnis 🙂

Konzerte gab es auch dieses Jahr – wenige, aber bemerkenswerte. Ganz oben natürlich Elbow. Eines meiner schönsten Konzerterlebnisse ever. Ich war zwar alleine hingegangen, aber habe viele Bekannte dort getroffen. Manchmal genieße ich das sehr, Konzerte alleine zu besuchen. Manchmal auch nicht: Bei der Classic Rock Nacht am Kunstrasen oder dem Konzert von Mystery in Köln hatte ich mich mit etlichen Musik-Verrückten getroffen – und das waren schöne Familientreffen 😉 Und ihr seht schon: die emotionalen Highlights in Sachen Musik hatten immer mit Menschen in der analogen Welt zu tun.

Dann ist mir allerdings an dem Punkt die Luft ausgegangen, zumal ich in der Reflektion feststellen mußte, dass ich da auch einige Erlebnisse in dem Post unterschlagen habe, die durchaus berichtenswert gewesen wären. Und wo wir schon mal bei Insta sind – ich mag Insta zum digitalen Austausch in Sachen Vinyl und Musik ja sehr. Es gibt da allerings auch ein paar Kleinigkeiten, die mich ins Grübeln bringen…

Zugegeben: als Quasi-Kölner läuft die Maxime „Jeder Jeck ist anders“ und „Man muss ooch jönne könne“ permanent durch meine Blutbahn. Doch manchmal geraten sie auch Stocken. Z.B. bei Kindern mit Schallplatten. Zugegeben, ich bin kein großer Kinderfreund. Und ich kann auch verstehen, dass Eltern stolz auf ihre Racker sind. Aber der Anblick von Schallplatten in den Händen eines Fünfjährigen löst in meinem Weltbild erst mal Schaudern aus… der kann doch nicht ernsthaft schon den Umgang mit Schallplatten gelernt haben, oder?

Die Vorstellung, dass ein paar schokoverschmierte Patschehändchen den Griff in mein Regal wagen könnten, kommt mir jedenfalls einigermaßen wesensfremd vor. Und dass ich dann in Ruhe dabei zusehe, um dann gar noch ein Foto zu machen, erst recht.

Selbiges gilt übrigens auch für Vinyl-Bilder in Verbindung mit Tieren. Ja, ich weiß, mit Cat-Content kann man Reichweite machen. Ich würde ja da auch vielleicht gerne mal ein Like hinterlassen, hab dann aber zu viel Angst, misverstanden zu werden. Was, wenn ich den Post wegen der Musik like und derjenige denkt dann, ich fände seine Katze putzig. Oder gar jemand anders käme auf die Idee, ich fände den Stubentiger likenswert – das wäre beinah schon rufschädigend, schließlich bin ich Hundemensch! Denen kann man wenigstens beibringen: Schnauze weg vom Vinyl!

An dem Punkt wollte ich eigentlich auf Bilder mit halbnackten Frauen raus, die sich im Bikini – wenn überhaupt 😎 – über meist mehreren Schallplatten räkeln… das ist eigentlich noch schlimmer, als die Bilder von den kindlichen Patschehändchen… Natürlich gehören Sex und Musik irgenwie zusammen, aber sind wir mal ehrlich: entweder oder. Zumindest, wenn man beide Sachen mit Leidenschaft betreiben will!

Mein Plan war eigentlich, den Artikel mit einem Foto zu beenden, auf dem ich mich im Bikini lüstern mit einigen Scheiben beschäftige… Das war dann auch der Punkt, an dem das Projekt ins Stocken geriet 🤣🤣🤣 Ich glaube, es ist besser, wenn ich bei solchen Fotos bleibe.

Und da wir gerade eben das Thema Leidenschaft schon angesprochen haben und das Thema Geschmack quasi im Raum steht: darüber hatte ich ja schon geschrieben – aber ich wollte gerne noch einen nachlegen. Denn über Geschmack ließe sich ja mit mir trefflich streiten, wenn ich nicht so ein verbohrter Dickkopf wäre.

„Die Geschmäcker sind verschieden…“ – das ist DAS Totschlagargument, mit dem man jede Diskussion in jedem Musik-orientierten Forum sofort niederschmettern kann. Wenn die Verschiedenheit des Geschmacks das Maß aller Dinge ist, können wir uns ja jede Auseinandersetzung am besten gleich von der Backe schmieren. Denn wozu noch den Diskurs führen, ob „Album 1“ oder „Album 2“ das maßgeblichere Werk von „Band XY“ ist, wenn wir uns am Ende eh nur noch versöhnend in den Armen liegen und froh sind, dass das Gegenüber lieber Blondinen als Brünette mag – ein Konkurrent weniger!

Was allerdings bei der Haarfarben-Diskussion auffällt: wir sind am Ende froh, wenn der Gesprächs-Kontrahent nicht der gleichen Meinung ist. Bei Diskussionen um Musik geht das ja gar nicht – schließlich befinden wir uns da auf einer Pilgerfahrt für die gute Sache, nämlich der Bestätigung des eigenen, des guten, des einzig wahren Geschmacks. Am Ende läuft das doch darauf hinaus, dass wir lieber unsere Frau hergeben, als das vermaledeite andere Album auch nur einen Hauch höher in den eigenen Olymp heben zu wollen.

Falls jemand den Faden verloren hat: „Eher teile ich meine Frau als deinen Musikgeschmack.“ Ich weiß, ich hab da leicht reden als Single 😎 Trotzdem hat der Geschmacks-Streit eine ganz belebende Komponente: Die Leidenschaft!

Also lasst uns keinem Geschmacks-Streit aus dem Weg gehen und die Leidenschaft zur Musik leben. In diesem Sinne…

4 Kommentare zu „Geschichten, die das Vinyl-Leben schreibt…

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  1. Sexy Plattenhalterinnen finde ich auch furchtbar. Das ist für mich ähnlich bescheuert, wie nackte Frauen auf Motorhauben. Allerdings erkennt man daran auch die Zielgruppe, die ich offenbar nicht bin.
    Bei Kindern wird man vermutlich entspannter, wenn man selber welche hat. Unser Sohn hat schon sehr früh gelernt, sorgfältig mit Platten umzugehen.
    Obwohl ich Katzen SEHR liebe (im Gegensatz zu Hunden 😂), würde ich sie immer von Platten feenhaften. Ich habe zu viele Plattensammlungen mit den typischen Katzenschäden gesehen (aufgekratzte Coverkannten).
    In Köln gibt es ja sogar einen Plattenladen mit Katzen (Sally Records), der Internetauftritt ist sehr sympathisch, ich war aber selber noch nie dort. Mir ist schleierhaft, wie das mit Katzen funktioniert, vielleicht bist du schonmal dort gewesen.

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    1. Ich hab den Internet – Auftritt von dem Laden gesehen, bin aber wegen den Katzen nie da gewesen. Man muss nicht alles miterlebt haben 😉 🤗

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  2. Ich war einmal mit meinem Sohn (damals 9) bei Sally Records. Aber ich war so sehr mit den Platten beschäftigt, dass ich die Katze gar nicht bemerkt habe. Mein Sohn aber versicherte mir, dass dort eine gewesen sei. Mein Eindruck von dem Laden war insgesamt positiv.
    Schöne Grüße aus Köln-Wahn

    Gefällt 1 Person

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