Say Yes.

„Yes is the answer and you know that for sure“. (John Lennon, Mind Games)

Ja, ich bin Fan. Nicht von der ersten Stunde an – so alt bin ich auch noch nicht 🙂 Und die ganz frühen Sachen springen mich auch nicht wirklich an. Aber ab „The Yes Album“ kann man mir musikalisch mit ihnen kommen. Zugegeben, in den letzten Jahren haben sie in Sachen Studio-Alben nicht wirklich überzeugt – aber deswegen ist man ja schließlich Fan: haben: „ja“, hören: „muss nicht sein“ – so ist das auch mit den beiden ersten Alben…

Der Startschuss fiel für mich irgendwann Ende der 70er – aber die Geschichte gibt´s ja schon hier zu lesen. Viel wichtiger ist: das hat für mich bis heute nicht aufgehört. Und sind wir mal ehrlich – das letzte Album war ein Graus und das ist jetzt auch schon sechs Jahre her. Der Vorgänger war auch nicht so wirklich überzeugend, aber im Vergleich wenigstens einigermaßen substantiell. Das mag bei mir wahrscheinlich daran liegen, dass Jon Andersons Stimme mich einfach immer berührt. Selbst wenn er tibetanische Gebetsgesänge rückwärts erklingen lassen würde. Aber ohne Jon ist es irgendwie nicht richtig Yes.

Anfang Dezember letzten Jahres erschien dann eine Box: „Treasures – A Vinyl Collection“. Die gab´s dann aber nicht nur von Yes, sondern auch von Alice Cooper, Rainbow und noch einigen Bands. Das roch ein wenig nach „schnell weg mit dem Zeug, bevor die Scheiben einzeln zu schimmeln anfangen“. Es juckte mich zwar in den Fingern, aber so richtig überzeugt war ich nicht. Zumal ich eins der vier darin enthaltenen Alben, nämlich „Magnification“, schon auf Vinyl hatte. Und was der Zusatz „Limited Edition“ sollte, erschloss sich mir bis dahin auch nicht wirklich.

Nun ist das ja traditionell zum Jahreswechsel so, dass da herzlich wenig Neues veröffentlicht wird. Bei so einem Junkie wie mir setzen da schon mal die ersten Entzugserscheinungen ein. Ich wollte einfach was Neues im LaMös haben. Zumal ich jemanden fand, der an meiner „Magnification“ interessiert war. Wenn ich schon neben den CD-Ausgaben hier und da einen Doppler auf Vinyl habe, kann ich mir das schon – zumindest bei wichtigen Alben – verzeihen. Aber ein Doppler auf Vinyl – so weit geht die Liebe dann doch nicht!

Um es kurz zu machen: natürlich hab ich die komische Box bestellt 🙂 Und der geneigte Leser mag sich fragen, warum ich so ein Gewese um diese Box mache, zumal – wahrscheinlich nicht nur ich – die Alben kenne und da nun echt nichts Unbekanntes auf uns zu kommt. Keine Angst, kommt jetzt 🤘

Kaum hatte ich das Paket geöffnet, war ich überrascht, wieviel „Limited“ darin steckt. Nicht, dass mir das irgendwas bedeutet – ich gehör zu denen, die in erster Linie eine LP wegen der Musik kaufen. Die Sache mit dem 180g-Vinyl ist natürlich nett – aber mal ehrlich: ich hab 120g-Platten im Schrank, die sensationell klingen 🤩 Viel vertrauenserweckender war da der Schriftzug „Mastered for Vinyl“! Das wäre natürlich schön und wünschenswert, wenn das immer so wäre – aber wir wissen, dass das leider eher selten der Fall ist. Für größere Überraschung in Sachen Limitierung sorgte am Ende bei mir die Handnummerierung auf der Rückseite der Box – da hatte ich dann doch mit eindeutig mehr zur Verfügung stehenden Exemplaren gerechnet.

Bevor es also ans Hören ging, war ich mit der Anschaffung schon mal zufrieden. Oder besser: ich konnte sie vor meinem inneren Schweinehund zumindest schon mal einigermaßen rechtfertigen. Als erstes kam „Symphonic Live“ auf den Teller – und ehrlich: für mich war Album immer eher ein „nice to have“ als ein „must have“. Live-Alben von Yes sind immer so eine Sache: klanglich nicht immer State of the Art, und manchmal wirken die Beteiligten auf Bühne ein wenig müde. Ganz anders bei „Live from House of Blues“ – Spielfreude pur, die Aufnahme deutlich differenzierter und der Mix aus alten und neuen Sachen einfach exzellent. Die Scheibe hatte ich als Vinyl auch einzeln schon ein paar mal in der Hand – aber weil sie auf CD schon zu Hause war und Live-Alben wie gesagt in Sachen Klang eh kein wirklicher Gradmesser sind, konnte ich mich bis hierhin zurückhalten. Aber ich hatte Glück: das schwarze Gold kommt echt knackig rüber!

Der Zeitpunkt war gekommen, wo ich mich endlich über die beiden Studio-Alben stürzen konnte. Man sollte vielleicht wissen, daß ich trotz meines Daseins als Yes-Fan nicht alle ihre Alben über den grünen Klee loben kann. Aber „Magnification“ und „The Ladder“ sind die beiden letzten, wirklich guten Alben, die Yes heraus gebracht haben. „Talk“ und „Open your Eyes“ zuvor waren eher so belanglos, „Fly from here“ wurde eigentlich in der „Return-Trip“-Version zumindest annehmbar und „Heaven & Earth“ bleibt einfach nach wie vor eine Frechheit. Da lege ich eher noch „Relayer“ auf – und das Album mag ich schon gar nicht…

„Magnification“ fand ich schon immer toll, auch wenn ich statt des Orchesters lieber Keyboards gehört hätte. Aber die Songs hatten in Sachen Komposition endlich wieder das, was die Vorgänger vermissen ließen: ein Gefühl von Yes. Und so sehr ich es begrüßte, jetzt eine „limited“, sprich farbige Version des Vinyls zu besitzen – in Sachen Klang bin ich ja Fan von simplem schwarz. Das hatte ich zuvor, aber wie gesagt aus „Legitimations-Gründen“ für die Box weiter gegeben. In Sachen Klang hatte ich entsprechend keine großen Erwartungen. Und in Sachen Klang konnte ich immer noch auf eine hochwertige CD-Version zurück greifen, also alles halb so wild. Als die Nadel sich dann in die Leerrille senkte, wurde ich allerdings schlagartig eines Besseren belehrt.

Ich hatte Tage zuvor die schwarze Scheibe noch gehört. Klanglich war die nie was dran auszusetzen: solide, gut, keine Beanstandungen. Als ich dann die farbige Version hörte, war ich dann doch erstaunt: ein wesentlich differenzierteres und vor allem klareres Klangbild kam mir da zu Ohren. So geil hatte ich das Album auch noch nicht gehört. Vor allem Drums, akustische Instrumente und natürlich Squires Bass waren deutlich besser wahrzunehmen. Und das bei farbigem Vinyl! So viel zum Thema „Mastered for Vinyl“ 😍 Da konnte die schwarze Version definitiv nicht mithalten. Ich strahlte über alle Arschbacken…

Und „The Ladder“ mochte ich auch immer. Und die stand hier noch nicht als Vinyl. Gut, auf CD ist sie natürlich vorhanden. Aber bei Yes lasse ich diesbezüglich gerne mal Fünfe gerade sein. Dafür ist man schließlich Fan. In Sachen klang fehlt mir hier allerdings der Vergleich – dass die Scheibe hier seit Einzug bei mir rauf und runter läuft, sollte aber schon mal einen Hinweis geben 👍

Ich bin zu meiner eigenen Überraschung sehr happy mit der Box. Vor allem verkürzt sich für mich damit die Wartezeit auf das nächste, hoffentliche Highlight: „Fragile“ in der 2LP Box auf 45rpm in der Mobile Fidelity Ultradisc One-Step Edition.

Nein, ich bin nicht verrückt… 🤣

6 Kommentare zu „Say Yes.

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  1. Sind farbige Vinylpressungen Deiner Meinung nach schlechter im Klang als die schwarzen? Leider kenne ich mich da nicht so aus.
    Als Negativbeispiel dafür fällt mir das INXS-Album KICK ein, von dem ich seit 1997 die handelsübliche Vinylpressung (schwarz) besitze. Bei der im letzten Jahr erworbenen Version in giftgrün bleibt bei einem Song leider die Nadel immer wieder an derselben Stelle hängen. Das Hören hat sich damit zumindest für die A-Seite erledigt. 😦
    Aber wie sagtest Du so schön? „deswegen ist man ja schließlich Fan: haben: „ja“, hören: „muss nicht sein“ – in diesem Sinn belasse ich es bei der Grünen beim Haben und bei der Schwarzen beim Hören.
    Auf einen Vergleich, welche Qualität bei fehlerfreien Alben die bessere ist, lasse ich es gerne mit einem U2-Album ankommen, das ich in schwarz und in weinrot habe.

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    1. Im Prinzip sind einfarbige Scheiben klanglich erst mal kein großes Problem. Schwarz und weiss haben allerdings leichte Vorteile, weil weniger Zusätze. Bei mehrfarbigen wird es schon schwieriger mit den klanglichen Eigenschaften. Ganz fürchterlich klingen aber picture discs. Ich bevorzuge da echt schwarz – das Ohr isst mehr mit als das Auge 😉

      Gefällt 2 Personen

  2. Interessant. „The ladder“, da schleich ich seit Jahren drum rum. Wär die noch was? Ist die wirklich besser als „Talk“? „Talk“ fand ich Mist und deshalb, ließ ich „The ladder“ seinerzeit auch weg.
    „Union“ und „Open your eyes“ sind für mich die schlimmsten Flops im Verzeichnis der Götter.
    Die „Heaven and Earth“ ist gar nicht übel – wenn man sie im Auto hört. YES zum Fahren, gabs vorher nicht. Also DIE hör ich deutlich lieber als „Relayer“, die sich mir noch nie erschloss.

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    1. Alter, das wird jetzt schwer… Union fand ich toll. Talk war Grütze. Heaven and Earth würde ich noch nicht mal mehr auflegen, wenn mein Leben davon abhinge. Und Ladder ist besser als Talk. Jetzt schau, wie du klar kommst 🤣

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