Mein Grammy

Die ehrwürdige SZ fragte am Tag nach den diesjährigen Grammys: Wer braucht diesen Preis? Die Antwort ist einfach: ich.

Preisverleihungen doof zu finden gehört im Feuilleton zum guten Ton. Das ist genauso wie „Modern Talking“ Scheiße zu finden, aber zu „You´re my Heart“ mit den Füßen zu wippen. Dabei ist es schon fast egal, welcher Preis da vergeben wird: Film, Musik, TV – je größer die Bedeutung des Awards, desto pfui. Einen ähnlichen Artikel wie oben zu den Oscars zu finden wird nicht schwer – beim Bayrischen Filmpreis bekommen die Kulturredakteure dafür ein feuchtes Höschen. Mit dem Echo komm ich erst mal gar nicht um die Ecke 😎

Ich will hier aber erst gar nicht eine Diskussion über den Sinn oder Unsinn solcher Veranstaltungen vom Zaun brechen. Was ich am Grammy mag, ist die Gewinnerliste! Ich stöber am Tag nach der Verleihung dadurch, um zu sehen, wer was gewonnen hat – vor allem in den Nebenkategorien. Das kriegt man bei der Show im Fernsehen meist gar nicht mit. Wenn man sie schaut. Was ich nicht tue. Weil: einfach zu spät 😴 Genau wie beim SuperBowl – toll anzusehen, aber ich habe es bisher erst einmal bis ins dritte Quarter geschafft. Meist nicht mal bis zur Halbzeit-Show. Aber zum Glück gibt´s ja das Netz.

Ich schau wie gesagt durch die Liste, umgehe meist Kategorien wie Country oder „Spoken Word“, und schau, wer wo gewonnen hat. Ganz hoch im Kurs stehen dabei Kategorien, die mit Aufnahme oder Produktion zu tun haben. Da hab ich schon die ein oder andere Perle entdeckt ❤️ Ich schaue dann vor allem nach Alben, die bereits bei mir zu Hause im LaMös stehen. Das ist so ein ganz kleines bißchen Bauchpinseln des eigenen Geschmacks. Manchmal auch genau das Gegenteil 😉 So erhielt diesmal Tool den Grammy für die Best Metal Performance: „7empest“. Kann man machen, ist einer der wenigen Songs auf dem Album, die mich nicht zu Tode langweilen. Eigentlich bin ich echt kein Freund von Metal, aber mit dem Song „Fourty-Six & 2“ und damit auch dem Album „Ænima“ hatten sie mich im letzten Jahr erwischt. Ausgelöst durch den Hype um „Fear Inocolum“, zugegeben. Denn der Titelsong ist ´ne Macht.

Gefreut habe ich vor allem über den Grammy für Randy Brecker: „Best Jazz Solo“ für den Song „Sozinho“ auf dem Album „Rocks“. Im letzten Jahr war ich eh auf Jazz-Entdeckungsreise und dabei ist mir dann auch das Album in die Hand gefallen. Das Album ist zudem eher pretty funky als zu verjazzt – aber die Mischung macht´s. Ich finde es, nebenbei bemerkt, extrem schwer sich in das Genre einzuarbeiten. Da begegnet einem viel schwer verdaubarer Stoff. Und das sagt jemand, der gerne Prog hört 🤘 Aber das Album ist definitiv einer meiner Favs. Es läuft jetzt nicht auf Heavy Rotation bei mir, aber ich höre es immer wieder gerne. Abgesehen davon ist es wirklich toll ausgenommen!

Witzig fand ich die die drei Grammys für Gary Clark jr. „This Land“ wurde nicht nur der beste Rock-Song, sondern auch das beste Rock- und das beste Blues-Album. Besser hätte man das Album gar nicht beschreiben können. Wenn es noch einen Preis für das beste Funk-Album gegeben hätte, wäre zumindest eine Nominierung nicht ungerechtfertigt gewesen. Nebenbei bemerkt frage ich mich, warum es dafür eh überhaupt keinen Grammy gibt. Das Album ist jedenfalls echt ein Brett und der Mann für mich eine der Entdeckungen des vergangenen Jahres. Immerhin hatten er und Brecker es in meine Top 20 letztes Jahr geschafft – für die Top Ten bin ich einfach noch nicht Blues und Jazz genug 🤩

Weder in mein LaMös, geschweige denn in die Top Irgendwas hatte es bei mir Billie Eilish geschafft. Das Album ging gleich ab wie eine Rakete, der Hype war riesig und natürlich habe ich auch mal reingehört. Ich habe schließlich ein Herz für schräge Frauen. Björk oder Kate Bush höre ich wirklich gerne, im letzten Jahr hatte ich Banks für mich entdeckt – aber bei Billie Eilish versagte mir prompt der Zugang. Und damit sind wir beim zweiten Faktor, warum ich die Grammys, bzw. deren Gewinnerliste mag: man findet immer was Neues, das darauf wartet, von einem entdeckt zu werden. Und irgendwas muss dieses Album mit dem Titel „WHEN WE ALL FALL ASLEEP, WHERE DO WE GO?“ ja haben.

Und das hat es! Selten hat mich ein Album so verwirrt und gleichzeitig fasziniert zurück gelassen. Und ich mag es, wenn Musik das schafft! Die Songs sind sowohl eigenartig als auch zugängig und definitiv nicht dafür gemacht, „mal eben“ quer gehört zu werden. Die Scheibe verlangt von dir, dass du dir bitte schön Zeit für sie nimmst 🤗 Gut, um das Album zu entdecken hätte es jetzt nicht zwingend die Grammys gebraucht – aber besser spät als nie.

Zeit wird auch meine zweite Grammy-Entdeckung brauchen: mit „Neo Geography“ haben die Chemical Brothers gleich zwei Auszeichnungen eingeheimst. Eine in Sachen Dance, eine in Electronic. Beides sind echt nicht meine Standard-Genres, die hier zu Hause laufen. Aber man muss die Ohren ja offen halten und nach einem kurzen Querhören war das Album für mich beschlossene Sache, zumal ich das Cover mag. Nach dem ersten Hören der Scheibe hält sich meine Begeisterung allerdings in Grenzen, also genau umgekehrt wie bei Billie Eilish. Vielleicht war es aber auch einfach nur der falsche Zeitpunkt, den das Album erwischt hat. Uninteressant ist es jedenfalls nicht.

Danach brauchte ich allerdings erst mal eine Runde Stones 😎

3 Kommentare zu „Mein Grammy

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  1. Randy Brecker? Randy Brecker! Er hat die Trompete auf Bruce Springsteens „Meeting Across The River“ gespielt.
    Wieder ein schöner, erfrischender Beitrag. Das hat halt etwas Ambivalentes mit den Grammys… Bruce Springsteen ist sogar einer der Rekordsammler. Ich frage mich manchmal, was er mit diesen unzähligen Pokalen tut? Bestimmt lagern sie irgendwo in einer Kiste in seiner Garage.

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  2. Grammy: Ich guck da normalerweise nie hin, weil da eh immer dieses Rap-Zeuch hofiert wird, oder Madonna, oder irgendwelche Rudimente des Jackson-Clans….dacht‘ ich. Nach deinem Post hab ich aber mal nachgesehen und siehe da:
    Mein derzeitiges Lieblingsalbum sahnte 2 Grammies 2020 ab! Dunnerlittchen!
    Best Song, Best album in der Country-Sparte ging an Tanya Tucker!!!!! Verdientermaßen und überfällig!

    Gefällt 1 Person

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