Live is Live (Reprise)

Konzerte sind toll. Vor allem, wenn Band, Musik, AtmosphĂ€re dich richtig ficken. Aber darum geht’s hier nicht. 😇

Ich geh prinzipiell nur noch selten auf Konzerte. Das, was ich sehen wollte, hab ich gesehen. Bis auf das, was irgendwie nicht ging. Abba zum Beispiel. Oder Genesis mit Hackett. Aber auch darum geht’s hier nicht.

Ich mag Konzerte in Arenen nicht. Du hast 50.000 um dich rum, schaust meist nur auf die Leinwand und bist frĂŒher raus, um dem Verkehr zu entgehen. Da schau ich lieber gleich die DVD. Ist auch gĂŒnstiger. Aber auch darum geht’s hier nicht.

Ich mag Live-Alben. Allerdings nicht so sehr auf Vinyl. Eigentlich. Aber eigentlich sollte das Wort „eigentlich“ ja eigentlich verboten gehören…

Aber genau darum gehtÂŽs. Und natĂŒrlich habe ich Live-Alben auf Vinyl auch hier in meinem LaMös stehen. Obwohl sie fĂŒr mich – zumindest auf einer wie auch immer gelagerten Metaebene – ĂŒberhaupt keinen Sinn machen. Da kommt offensichtlich meine weibliche Seite zum Vorschein
 😜

Mein absolutes Lieblings-Live-Album ist „Yessongs“ – wahrscheinlich auch deshalb, weil es mich seinerzeit mehr als nur geflasht hat. Bestimmt auch, weil es mein erstes Live-Album ĂŒberhaupt war. Dabei ist es klangtechnisch eine der schlechtesten Aufnahmen der Rock-Geschichte. Abgesehen natĂŒrlich von irgendwelchen Bootlegs, aber das liegt schließlich in der Natur der Sache. Und alles, was von der Band danach kam, war in Sachen Klang deutlich besser…

Die UmstĂ€nde fĂŒr eine Live-Aufnahme vor Ort sind – aus der klanglichen Perspektive – natĂŒrlich auch alles andere als optimal. Hallen, egal welcher GrĂ¶ĂŸenordnung, sind nicht gebaut worden, um dort Konzerte zu veranstalten und schon gar nicht, um dort akustische Leckerbissen zu produzieren. Doch natĂŒrlich bestĂ€tigen auch hier Ausnahmen die Regel.

Die Bauer-Studios zum Beispiel produzieren seit geraumer ganz herausragend klingend Live-Alben mit unterschiedlichen Jazz-KĂŒnstlern. Aber die Konzerte finden im hauseigenen Studio statt, das Euqipment fĂŒr die Aufnahmen ist erlesen, das Team vom Fach und das ĂŒberschaubare Publikum goutiert entsprechend den betriebenen Aufwand. Kannste dir bei den Stones im Stadion komplett knicken.

Daß ein Live-Album, zumindest unter audiophilen Gesichtspunkten, nicht wirklich in Sachen Klang punktet, davon gehe ich vor dem Kauf aus besagten GrĂŒnden erst mal aus. Da hilft auch kein Vorabhören irgendwelcher Snippets oder Youtube-Clips. Denn dahinter stecken eher selten irgendwelche HiRes-Dateien, mal abgesehen davon, das mein Computer und auch Smartphone nicht wirklich auf audiophilen Genuß ausgerichetet sind. Sollen und brauchen sie hier auch gar nicht 😎

Sprich: bei Live-Alben bin ich schon froh, wenn es angenehm gut klingt, ohne dass sich einem die FußnĂ€gel hoch rollen 🙃 Es gibt natĂŒrlich auch Ausnahmen – jeder, der einmal Nils Lofgrens Acoustic-Album gehört hat, kann das bestĂ€tigen. Aber bei „kleinem Besteck“ hat man bei der Aufnahme auch wesentlich mehr Kontrolle, um am Ende ein klanglich tolles Ergebnis liefern zu können. Bei „großem Besteck“ ist das natĂŒrlich ungleich schwieriger, aber machbar – vor allem in der Nachbearbeitung. Bestes Beispiel: Genesis – „SecondÂŽs Out“. Durch das Half Speed Remastering wurde echt was rausgekitzelt – aber darĂŒber hab ich mich ja schon ausgelassen.

Und aprospos Half Speed Mastering: ich hatte mir das legendĂ€re Album von Abba „Live at Wembley“ gegönnt. Vorab gab es in den einschlĂ€gigen Foren einiges zu lesen: schlechte Pressung, klanglich indiskutabel, schlechte Verarbeitung und, und, und… So was kann einen natĂŒrlich schon schrecken, aber ich mag die Band und ihre Musik. Und ich hatte wie gesagt nie die Gelegenheit, sie live sehen zu können. Ich hatte das Konzert mal vor Urzeiten im Fernsehen gesehen und war begeistert – so what đŸ€—

Vielleicht hatte ich ja einfach nur GlĂŒck oder alle Spötter was an den Ohren – aber ich konnte beim besten Willen nichts finden, was die ganze Kritik auch nur im Ansatz gerechtfertigt hĂ€tte. Das Album klingt blitzsauber, meine Pressung war fehlerfrei – und was viel wichtiger ist: das Album verbreitet eine echt faszinierende Konzert-Stimmung! Beim dritten Song fing ich an, durch das Zimmer zu tanzen und im Grunde hab ich nur dann damit aufgehört, wenn ich die Platte umdrehen oder wechseln mußte. Und damit nĂ€hern wir uns endlich dem eigentlichen Problem, das ich mit Live-Alben auf Vinyl habe.

Konzerte dauern in der Regel lĂ€nger als die obligaten 40 Minuten, die so eine Scheibe speichern kann. Mit ein wenig GlĂŒck passt es auf eine Doppel-LP, meist sind es allerdings 3-LP-Sets. In solchen FĂ€llen muss ich bei Vinyl fĂŒnf mal öfter aufstehen als im Vergleich zur CD, wo das meist auf zwei Scheiben passt – siehe z.B. meine verehrten Yessongs. In die KonzertatmosphĂ€re beim Hören eintauchen wird da schon schwieriger. Das ist jetzt auch kein Beinbruch, aber wĂ€hrend ich bei „normalen“ LPs den Vorgang des Auflegens, Seite-  oder  vielleicht Plattenwechsels als entschleunigend empfinde, nervt mich das bei Konzert-LPs. Inklusive des Reinigens der Nadel und des TöntrĂ€gers kommt da fĂŒr mich immer ein atmosphĂ€rischer Bruch zustande und ich brauch wieder ein wenig Anlauf, um reinzukommen.

Und wir sind erst bei 3-LP-Sets. Vieles kommt ja mittlerweile auf auf vier oder fĂŒnf LPs um die Ecke – vor allem von Prog-Bands. Da bezeichne ich das stĂ€ndige Umdrehen und Wechseln ja schon fast als Workout 😂 Was als Ärgernis hinzu kommt: manche Plattenfirmen veröffentlichen ein 4-LP-Set im Gatefold-Cover, zwei Scheiben pro Tasche. Da ich meine Alben gerne mit HĂŒllen schĂŒtze, stehe ich dann vor einem weiteren Problem: die normalen SchutzhĂŒllen sind zu klein, fĂŒr ein oder zwei Alben extra große HĂŒllen im 10er-Pack zu kaufen widerstrebt mir. Die meisten dieser ĂŒppigen Live-Vinyl-Sets kommen zum GlĂŒck als Box daher, das Problem ist damit meist gelöst.

Ein paar Beispiele: Dave Matthews Band – „DMB 25 Live“: ein großartiges Set, leider schweineteuer, zwei Mal gehört. Mystery – „Live in Poznan“: wunderbar atmosphĂ€rische Live-Aufnahme, die besser rĂŒberkommt als das Konzert, das ich gesehen und wo ich die Box auch erstanden habe. Ein Mal gehört. Steven Wilson – „Home Invasion: In Concert At The Royal Albert Hall 2018“: ein ganz besonderer Fall fĂŒr mich – ein Mal gehört, lĂ€uft jetzt aber auch wĂ€hrend des Schreibens 😍

Das Besondere an dem Album: es war die Tour zum Album „To the Bone“, an dem sich die Geister einfach geschieden haben. Auch mein Geist đŸ‘» Mit „The Raven That Refused to Sing“ hatte Wilson 2013 ein Meisterwerk des Prog herausgebracht, das mir gleich beim ersten Hören die Schuhe auszog. Zwei Jahre spĂ€ter kam „Hand. Cannot, Erase“. Meine Erwartungen waren gedĂ€mpft – niemand haut zwei Meilensteine hintereinander raus, doch Wilson schaffte das. Wiederum zwei Jahre spĂ€ter kam „To the Bone“. Das von da an nichts mehr so sein wĂŒrde, wie es war, war schon vorher klar. Das Album war ok, aber halt auch fernab von seinen beiden VorgĂ€ngern.

Ich hatte mir als Fan sowohl die CD, als auch das Vinyl geholt. Dummerweise konnte ich bei beiden Versionen ĂŒberhaupt keinen klanglichen Unterschied ausmachen – beides klang identisch und das noch nicht mal wirklich ĂŒberzeugend. Eine lĂ€ngere Diskussion in einem Forum sorgte dann fĂŒr die Erkenntnis, dass das Album auf Blu-Ray am besten klang und das Master dafĂŒr einfach fĂŒr alle anderen Medien benutzt wurde. FĂŒr jemanden, der sich von High-End-Messen vor den audiophilen Karren spannen lĂ€ĂŸt, fand ich das eher enttĂ€uschend. Zumindest ein anstĂ€ndiges Vinyl-Mastering hĂ€tte ich da schon erwartet. Meine Vinyl-Version habe ich verschenkt, die Tour boykottiert. Und besagte Live-LP-Box habe ich erst erstanden, als es die im Angebot gab…

…was im Nachhinein betrachtet ein Fehler war. Verarbeitung der Box und die Pressungen sind absolut top. Der Klang ist atemberaubend. Und was viel wichtiger ist: die neuen Songs fĂŒgen sich nahtlos ins Set ein, kommen gar nicht mehr so lieblos rĂŒber wie auf dem Studio-Album. Gut, dramaturgisch kriegt man ja auch wahre Perlen dazwischen prĂ€sentiert – aber im Gesamt-Oevre Wilsons machen die neuen Sachen nicht mehr so ausschlaggebend den Eindruck, als ob sie ein Stilbruch seien. Bliebe also nur der Makel von fĂŒnf LPs, sprich: Work-Out đŸ€Šâ€â™‚ïž Vom Konzert selber habe ich dann mal AuszĂŒge bei Arte, „Pop around the Clock“ gesehen – fand ich dann schon weniger begeisternd.

Ganz anders bei Coldplay. Die hatte ich beilĂ€ufig an einem dieser PaTC-Tage nur am Rande wahrgenommen, was dann ein Coldplay-Fieber in meinem LaMös auslöste. NatĂŒrlich wanderte dann auch „Live in Buenos Aires“ in mein Wohnzimmer. Als Vinyl. Und falls jemand fragt, warum ich denn dann nicht die CD kaufe: einfach weil es schöner ist, eine Scheibe in der Hand zu halten ♄ Allein die Booklets haben dann schon eine ganz andere Anfass- und vor allem Anschau-QualitĂ€t. Außerdem gab es nur bei der Vinyl-Version die Live-DVD und die Dokumentation dabei. Und allein fĂŒr letztere lohnt es sich schon!

Daß ich ĂŒbrigens DVDs und nicht Blu-Ray favorisiere hat einen simplen Grund: Musik findet bei mir ausnahmslos Stereo statt. Meine Surround-Anlage habe ich vor Jahren verbannt – zu viele Boxen, optisch unschön. TV-Signale haben zudem in meinem HiFi-Equipment aber auch mal ĂŒberhaupt nichts zu suchen. Musik war fĂŒr mich immer Stereo – es gibt keine natĂŒrliche musikalische Situation, in der die Musik „von hinten“ kommt. Hall ja. Aber eine Stereo-Aufnahme, die dir nicht den Eindruck vermittelt, daß du beim Konzert „dabei“ bist, ist eine schlechte Aufnahme. Punkt.

Nur was hört man zuerst? Musik oder DVD? Die Optik ist bei Coldplay-Kontertmitschnitten immer mitreißend. Kann die Audio-only-Version da dann enttĂ€uschen? Wenn ich mit dem Vinyl anfange, habe ich dann noch Lust, mir das Ganze im Anschluss auf DVD zu geben? Ihr seht schon, ich mache mir das Leben mit Live-Scheiben auf Vinyl nicht leicht…

…und zum GlĂŒck sind das alles keine kriegsentscheidenden Nachteile. Am Ende gilt eh nur die alte Werbeweisheit: Hauptsache, ihr habt Spaß!

7 Kommentare zu „Live is Live (Reprise)

Gib deinen ab

  1. Live-Alben oder -CDs waren fĂŒr mich aus einem Ă€hnlichen Grund nicht so reizvoll; was ich allerdings mir ganz gerne einlege, sind Konzertmitschnitte, auch wenn sie aus dem Fernsehen sind – oder ich gönne mir gleich solche optischen und akustischen Highlights wie das Loreena-McKennitt-Konzert aus der Alhambra, das ist allein schon wegen der altehrwĂŒrdigen Bauten und der Berge drumherum ein wahrer Genuss. Ein weiteres Konzert, das ich in voller LĂ€nge auf DVD habe, ist das „Live Baby Live“ von INXS aus dem Jahr 1991.

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  2. Ich finde mich grob wieder. Ich gehe auch nur noch selten auch Konzerte, aber manchmal…
    Das Umdrehen nervt mich auch dann und wann. Warum manche Alben auf 2 Scheiben gepresst werden mĂŒssen, wenn es auch eine getan hĂ€tte ist schon zu hinterfragen wenn dann z.B. nur 2 StĂŒcke oder 12min Musik auf einer Seite sind.
    Ansonsten – ich besitzte nur eine einzige LIVE Scheibe auf Vinyl, beim Stöbern im Gebrauchtladen entdeckt, ansonsten ist die CD hier meine Wahl. LIVE passt perfekt zum Autofahren.

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    1. Wenn ein Album auf zwei Scheiben gepresst wird, obwohl alles vielleicht auch auf eine gepaßt hĂ€tte, finde ich vor allem gut, weil dann die Rille nicht so eng gepresst werden muss. Die Dynamik hat dann mehr Platz und das Teil klingt einfach besser. Und meist wird dann ja auch die 4. Seite geetched. Bei Vorteilen im Klang kann ich damit leben 😉

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      1. GrundsÀtzlich hast du recht, ich bin da selbst nicht mit mir im Reinen was das betrifft. Manchmal nervt mich das umdrehen einfach.
        Von geetchehten Seiten halte ich relativ wenig. Das ist zwar eine nette Sache, aber mehr als 1-2 mal schaue ich mir das nicht an.

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