2020 – ein Scheißjahr mit Herz

Es war ein komisches Jahr – aber wem sag ich das 😉

Als das mit dem ersten Lockdown losging, dachte ich noch: wie geil, endlich ganz viel Zeit zu schreiben. Doch dann kam es anders. Nicht, dass es an der Zeit gemangelt hätte, aber was mich dann befallen hat war eine Schreibblockade, die ich so auch nicht erlebt hatte. Ich habe es dann aber einfach hingenommen, ohne es groß zu analysieren. Ich denke mal, es fehlte einfach an kommunikativen Input. In der analogen Welt. Digital gab es genügend Austausch – ich hab in meinem Leben noch nie so viele Video-Chats mit Freunden gehabt, wie in diesem Jahr. Aber wem sag ich das 😁

Musikalisch war es jedenfalls ein interessantes Jahr. Gut, in Sachen Konzerten war die Lage natürlich mau. Aber ich war in den letzten Jahren war ich eh nicht mehr so der Konzertgänger. Zwei, drei ausgewählte Live-Events, das war es in der Regel. Von daher hielt sich für mich der Entzug in Grenzen. Allerdings kenne ich einige Leute, die in Sachen Live-Entertainment beruflich damit zu tun haben. Und es ist schon eine Schande, wie die alle hängen gelassen werden…

Die „Markierung“ weist auf den besten Hörplatz hin 😎

Durch Lockdowns und die gebotene Vorsicht hab ich das Sofa an meinem Hörplatz zu Hause jedenfalls dieses Jahr durchgesessen 😇 Gut, das Sofa hat mittlerweile auch 20 Jahre auf dem Buckel und wahrscheinlich war es bloß Zufall, dass das ausgerechnet in diesem Jahr passierte. Eigentlich wollte ich mir ein neues Sitzmöbel angeschafft haben – aber ein Sofa kann man m.E. nicht einfach online bestellen. Da will ich vorab schon mal Platz genommen haben. Und da fehlte entweder die Zeit oder die Läden hatten zu. Aber wem sag ich das…

Wenn man sich bemüht, die Kontaktbeschränkungen so weit wie möglich einzuhalten und man sich und andere schützen will, verbringt man halt viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Zum Glück hatte ich keine großen Bedenken, wenn eine Quarantäne angestanden hätte. Die Watchlist bei Amazon Prime war voll (und ist es heute noch 😮) und die Plattensammlung hätte mich wahrscheinlich durch sechs Monate Quarantäne geführt, ohne etwas doppelt hören zu müssen.

Top Ten 2020

Natürlich habe ich im Laufe des Jahres einiges entdeckt – Neues, aber auch Sachen, die mir bislang verborgen geblieben sind. Manchmal zu meinem eigenen Erstaunen. So hatte ich in diesem Jahr nicht nur eine Liste mit den Top Ten der Neuerscheinungen angelegt, sondern auch eine mit den Entdeckungen des Jahres. Und beides zusammen ergibt diese Top Ten des Jahres für mich.

Kurz vor dem ersten Lockdown hatte ich das Glück, mein erstes Hörbuch einsprechen zu können. Hat auf den ersten Blick nichts mit Musik zu tun – aber dann doch: „Scratches“ von Georg Vetten handelt von einem Mittfünfziger, der sein Leben anhand der Kratzer in seinen Schallplatten Revue passieren läßt. Das kam mir dann ja doch ein wenig vertrauter vor, als mir lieb war 🤗

Wer mag, dem schicke ich gerne den Link zu den einschlägigen Audio-Portalen – wir begrüßen unsere Leser/Hörer schließlich per Handschlag 🤝

Ein Highlight des Jahres war definitiv Wien. Der erste Lockdown war vorbei, die Lage schien sich zu entspannen, man durfte reisen und ich stand kurz vorm Lagerkoller. Also hatte ich mich drei Tage in der Hauptstadt von Österreich einquartiert. Die Anzahl der Vinyl-Läden war vielversprechend, das Hotel zentral und die Flüge perfekt: an Tag 1 morgens rein, an Tag 3 abends raus. So mag ich das. Und nicht nur das Stöbern durch die Läden hat Spaß gemacht – vor allem war toll, Menschen kennen zu lernen, die ich bis dahin nur von ihren Online-Profilen kannte 💗 Und wer mal da ist, sollte auf jeden Fall einen Blick ins Wiener LP Café am Rochusmarkt werfen!

Überhaupt waren die wenigen Zeiten, wo man Plattenläden besuchen konnte, schon fast ein wenig Luxus. Aber ganz ehrlich: Spaß macht das ja nicht. Hatte man sich im letzten Jahr noch mit ein paar Freunden zum gemeinsam Diggen treffen können, war damit mehr oder weniger Essig. Vielleicht konnte man sich einem Freund verabreden – dann wurde es aber auch schon eng. In Ruhe stundenlang durch die Regale störbern ging auch nicht wirklich, wenn man draußen vor dem Laden die Schlange der ausgehungerten Vinylisten sah. Man leidet ja unter Gelichgesinnten quasi mit. Und dann diggen mit Maske…

Versteht mich nicht falsch. Ich hab nichts gegen die Maske. Sie ist bis zur Impfung unsere beste Waffe. Neben dem Teamgeist. Den Scheiß-Virus schlagen wir schließlich nur gemeinsam. Und eine Maske, nein zwei, haben mich dann auch geflasht 🤩

Natürlich fand der Austausch in Sachen Musik hauptsächlich online statt. Und damit man ein bißchen Bewegung hat, legt man entweder eine Scheibe auf 45rpm auf – oder sortiert das LaMös um oder aus. Ich bin ja eher der Aussortierer – mein System steht seit Dekaden, da gibt´s einfach nichts umzusortieren. Und wie immer, wenn ein paar Scheiben nicht mehr vor meinem inneren Volksgerichtshof stand halten, werden die bei Insta oder FB verschenkt – man ist ja schließlich gut vernetzt. Ich biete also drei Alben an, zwei Interessenten sind schnell gefunden – sowie die Übereinkunft, den „Deal“ mit einem persönlichen Treffen zu vollziehen. Nach ein paar Monaten hatte ich angeboten, die Platten auch zu verschicken – wir waren uns schnell einig, dass es beim Treffen bleibt – wann immer das jetzt auch stattfindet ♥

Wie immer, wenn ich Vinyl weg zu geben habe, kommt die Frage: „Was willste denn dafür?“ Und meine Antwort ist immer: „Überrasch mich!“ Das gelingt auch meistens, ich mag es nämlich, auch mir völlig unbekannte Bands, Platten oder Genres kennen zu lernen. Doch diesmal kam es anders 🙏 Eines Tages hatte ich ich ein kleines Päckchen im Briefkasten – und darin zwei Masken mit besonderen Motiven. Das sind so die Momente, da hab ich einfach Pipi in den Augen… Das Schöne an solchen Momenten ist ja, dass man trotz aller Kontaktbeschränkungen immer noch Nähe erfahren kann.

Eine weitere Überraschung gab es auch zu Weihnachten. Wer bei Insta unterwegs ist, kennt mit Sicherheit das Prinzip der #Giveaways. In Sachen Musik gibt es da einiges und ich mach bestimmt nicht bei jeder Aktion mit. Manchmal juckt es mich dann aber doch und im besagten Fall ging es um ein kleines Label aus Berlin, das seine Alben rein analog produziert. Ich kannte nichts von den angeboteten Alben, aber erstens regiert ja bei mir die Neugier – und zum anderen sollten die Aufnahmen sensationell klingen, wir aus den Kommentaren zu erfahren war. Und für guten Klang bin ich ja immer zu haben 🤘

Und ganz ehrlich: ich hatte schon vergessen, dass ich teilgenommen hatte, als mich drei Tage vor Heiligabend die Nachricht ereilte, dass ich gewonnen hatte. Zwei Tage später war das Kleinod da – und ich kann nur sagen: klanglich setzt die Scheibe echt Maßstäbe. Ich bin zwar nicht so im Singer/Songwriter-Genre zu Hause – aber auch musikalisch hat mich das Album gepackt ♥ Jedenfalls werde ich mich in den nächsten Tagen mal näher mit dem Label beschäftigen – und falls einer von euch neugierig ist, hier die Homebase: https://lowswing-records.com/

Als der erste Lockdown kam und man sich der Herausforderung mit Hände waschen, Abstand halten und den Hintern auf dem Sofa zu halten stellen musste, spielte ich mit dem Gedanken, eine eigene Facebook-Gruppe in Sachen Vinyl, oder besser: Musik, ins Leben zu rufen. Wenn man sich schon nicht treffen kann, kann man sich ja wenigstens digital austauschen. Ich tat mich mit der Entscheidung allerdings schwer – solche Gruppen können ja auch ausarten und zu ziemlichen Zeitfressern mutieren. Allerdings gab´s da einen Freund, der mich ziemlich in die Richtung geschubst hat, bis ich mir dachte: warum eigentlich nicht. Wenn es too much wird, kann man ja immer noch den Stecker ziehen… 😎

Aus anderen FB-Gruppen kannte ich das so, dass es immer ein ziemliches Regelwerk gibt. Da hatte ich ja schon mal gar keinen Bock drauf. Schließlich umgebe ich mich auch online mit halbwegs erwachsenen Menschen und da regulieren sich Konflikte oder Ausraster von selber. Also keine Regeln. Wichtig war für mich auch: Klasse statt Masse. Zudem hatte ich auch gar keine Lust, da den Klassen-Clown zu geben und und die Mitglieder mit diversen Aktionen bei Laune zu halten. Die Gruppe gibt es jetzt seit acht Monaten, wir sind da mit 17 musikverrückten Leuten und dieser kleine Kosmos hat ein wunderbares Eigenleben entwickelt ♥

Vor Weihnachten kam einer auf die Idee, ein Neujahrs-Wichteln ins Leben zu rufen. Sprich: jeder, der mitmachen wollte, bekam von jemanden ein Geschenk. Wenn alle Wichtel angekommen sind , gibt´s ´ne Video-Party und erst dann dürfen die Päckchen ausgepackt werden. Derzeit fehlt noch einer, dessen Wichtel noch nicht angekommen ist – und alle anderen haben ihre verschlossenen Päckchen und dürfen sie noch nicht öffnen 😁

Genau in der Phase, als ersichtlich war, dass die ersten Wichtel unterwegs sind, bekam ich ein Päckchen. Absender hhv. Ich hatte da nichts bestellt, also vermutete ich, dass das mein Wichtel-Geschenk war. Und ich wußte noch nicht mal, von wem es war. Und es war groß. Und ich war neugierig. Und die Aktion hatte wie gesagt gerade erst begonnen…

An dem Tag tauchten in der Gruppe kryptische Botschaften auf. Was durchaus passieren kann und sich dann meistens auch in allgemeiner Erheiterung auflöst. Ich teilte dann mal mit, dass mein Wichtel angekommen sei und die Reaktionen wurden nicht minder kryptisch. Ich verstand nur Bahnhof. Jemand rief einen Video-Chat ins Leben, an dem sich ungewöhnlich viele beteiligten. Ich natürlich auch…

Da stellte sich dann raus, dass das kein Wichtel war, sondern dass die Rasselbande mir ein Geschenk gemacht hat – und was für eins ♥

Ihr seht, auch ein Jahr wie dieses hat seine schönen Momente. Nur halt eben anders. Man lernt neue Menschen kennen und schätzen – nur halt eben anders. Ich bin noch dabei zu lernen, anders zu denken, zu leben, zu genießen – und im Grunde ist das so, wie es immer im Leben sein sollte. Nur halt eben anders. Aber wem sag ich das. Bleibt gesund!

🤗🤘🍻

3 Kommentare zu „2020 – ein Scheißjahr mit Herz

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  1. Sehr schick, der MNS mit dem Cover von „Crash“. (Und überhaupt, ich stehe auf die bunten MNS und trage auch selber welche, auch wenn sie mir Andershörende die Kommunikation oft erschweren…)
    Schade, dass wir uns in Wien nicht treffen konnten, aber was nicht ist, kann noch werden…
    Ich wünsche Dir noch erholsame Feiertage und schicke Dir liebe Grüße aus Wien!

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