Spaß ist Silber, schwarz ist Gold

Ich habe meinen NAD S 500 aus der legendären Silver Line ja immer geliebt. Vor 20 Jahren kam der CD-Spieler auf den Markt und ich war gleich verknallt. Seitdem hat er bei mir vor allem klanglich immer gute Dienste geleistet. Ja, er hatte ein paar Macken, die waren aber im Vergleich zum Hörerlebnis für mich mehr als nur vernachlässigbar. Dann brauchte er halt mal ein, zwei Sekunden länger, bis eine CD eingelesen ist…

Allerdings nahm das „Leiden“ in letzter Zeit vermehrt zu: CDs wurden manchmal gar nicht mehr erkannt oder aber er vergaß einfach, den Sound mitzuliefern. Das dauerte manchmal bis zu 10 Minuten des An- und Ausschaltens oder Lade öffnen und Schließens… am Ende hieß das nur: Laser und Steuerelektronik hatten ihren Rentenantrag eingereicht – aber nach 20 Jahren kann man das ja durchaus mal akzeptieren.

der NAD (oben)

Ebenfalls zur Jahrtausendwende kam die SACD auf den Markt. Player und CDs waren allerdings unerschwinglich – die oft beschriebenen klanglichen Vorteile faszinierten mich allerdings gleich vom ersten Moment. Als dann die ersten bezahlbaren SACDs auf den Markt kamen, musste ich die ein oder andere natürlich erstehen und selbst die reinen CD-Layer waren klanglich schon beeindruckend. Mir war schnell klar: dein nächster Player wird ein SACD-Player 😎 Ganz weit vorne auf der Liste stand da bei mir immer der „kleine“ Esoteric. Allerdings hatte ich nie die erforderlichen 6.000 Euro dafür in meiner Portokasse ausmachen können…

Ich fand die hochauflösenden Medien immer schon ziemlich sexy, egal ob SACD oder DVD-Audio. Allerdings habe ich mich nie für die mehrkanaligen Mixes begeistern können. Als ich noch eine Surround-Anlage für die DVDs mein Eigen nannte, hatte ich mir mal von Yes die „Fragile“ als 5.1 gegeben – selten habe ich größeren Mist gehört: Bass vorne, Drums hinten, Gesang mittendrin. Da hatte doch jemand beim Abmischen geübt. Klar, mittlerweile hat es auch da Fortschritte gegeben, aber in Sachen reine Musik hören bin ich einfach 2.0 🙈

Als mein NAD dann beschlossen hatte, den Freitod vorzubereiten, rief ich meinen Hifi-Dealer an und der hatte auch einen SACD-Player griffbereit, und zwar den Arcam CDS50. Da schon mein Vollverstärker von Arcam war, hatte ich erst mal keine Bedenken, den kleinen Bruder zur Probe mit nach Hause zu nehmen. Einer der Vorteile, wenn man oldskool ist und sein Equipment nicht online bestellt: du kannst den Neuling in Ruhe zu Hause anhören und hast bei Problemen den direkten Draht. Die gab es natürlich erst mal nicht – CD-Player funktionieren seit Anbeginn ihrer Zeitrechnung immer nach dem gleichen Prinzip.

Arcam CDS50

Einziges Problem für mich: der Player war netzwerkfähig. Ich bin bei Hifi-Geräten einfach kein Fan davon, Bauteile zu bezahlen, die ich nicht nutze. Der Vorteil allerdings: er hat einen ziemlich guten DAC an Bord. Was allerdings nichts daran ändert, dass mich Streaming nicht die Bohne interessiert. Ich brauch die Musik zu Hause für den vollständigen Genuss von einer Scheibe. Dateien kommen mir nur dann ans Ohr, wenn ich im Auto den USB-Stick reinstecke. Da sind die Dinger richtig geil. Aber für den Genuss – nein, Danke. Und von Spotify, Tidal und Konsorten fang ich erst mal gar nicht an.

Ja, ich weiß. Das digitale Zeug ist praktisch. Und natürlich auch günstiger in der Anschaffung im Vergleich zu CDs oder Vinyl. Praktisch und günstig sind aber auch tiefgefrorene Hühner vom Aldi. Und dann schieb mal nen frisch geschlachteten Rooster vom Bauern in den Ofen… 😋 Von daher hab ich die Beschäftigung mit dem Netzwerk-Gedöns erst mal nach ganz weit hinten geschoben, schließlich hat der Umgang des Arcam mit silbernen Scheiben für mich absoluten Vorrang.

Gute alte Tradition bei der Anschaffung von Neu-Geräten der gehobeneren Unterhaltungs-Elektronik bei mir ist: erst mal einspielen lassen. Also lief das Ding erst mal zwei Tage lang nebenbei im Dauerbetrieb. Na ja, quasi nebenbei, denn hier und da drang dann doch schon Erstaunliches an mein Ohr. Wohl gemerkt: wir reden hier nicht von einem sauteuren Player aus einer Edelschmiede. Aber wenn ich schon mal bei einer Scheibe, die mir durchaus wohl bekannt ist, an der einen oder anderen Stelle Augen und Ohren aufreiße, dann passiert da gerade was. Natürlich habe ich den Player erst mal meinen SACDs gefüttert – so ein bisschen neugierig bin ich dann ja schon. Und bei jenen Alben, die mir quasi durch die Blutbahnen fließen, brauchte ich auch keinen direkten Vergleich um festzustellen, dass das Klangbild der SACDs durchaus aufgeräumter und meist auch hörbar differenzierter war als im Vergleich zu den CDs. Es gibt einfach Scheiben, die muss ich nicht mehr direkt miteinander vergleichen. Das ist einfach meine Zauberkraft. Vielleicht bekomme ich die ja mal in bare Münze umgesetzt…

Bei der Wirkung von klanglichen Unterschieden muss man natürlich auch immer ein wenig aufpassen. Da kann einem natürlich die Wahrnehmungspsychologie hier und da natürlich ein ziemliches Schnippchen schlagen. Man möchte die Neuanschaffung natürlich geil finden und da ist das Gehör dann schnell bereit, die ein oder andere klangliche Kleinigkeit opulent aufzublasen. Und gerade bei direkten Vergleichen lassen sich für Otto-Normal-Verbraucher „gerechte“ Testbedingungen kaum herstellen. Aber Scheiß drauf, mir macht so ein Quatsch ja Spaß.

Ich will euch jetzt gar nicht mit den ganzen Einzelheiten meiner Testreihe langweilen. Und auch nicht damit, ob der Arcam bei mir bleibt – die Entscheidung war schon vorher gefallen 😁 Während des zweitägigen Einspielens war mir schon klar: der Kleine kann was. In Sachen Auflösung und Performance konnte er zwar mit meinem alten NAD nicht Schritt halten, aber er brachte da schon die Musik angenehm auf den Punkt, hatte eine crispe Abbildung und war in Sachen Höhen, Mitten und Bass sehr gut abgestimmt. Und das zu einem Drittel des Preises im Vergleich zu seinem Vorgänger!

Und noch eins machte der Arcam gleich klar: wenn du SACDs abspielst, benutze auch einen Player mit entsprechendem Laufwerk. Klar, man kann die Dinger auch in einem normalen CD-Laufwerk i.d.R. abspielen, aber richtig sexy wird es erst, wenn man das Potential des Mediums voll ausschöpfen kann. Ein Beispiel: die Gitarre am Anfang von „Down and Out“, dem Opener des Genesis-Albums „and then there were three…“: wenn ich bei einem alten Vertrauten schlagartig zucke, dann hat da gerade klanglich was außergewöhnliches für mich stattgefunden: so scharf konturiert hatte ich die Gitarren da noch nie gehört! Und die Scheibe ist klanglich ja eher in die Sparte „sumpfig“ einzuordnen 😒

Überhaupt SACDs: da liegt die große Stärke des Arcam. Nicht nur, dass man am laufenden Meter neue Kleinigkeiten an seinen Lieblingsscheiben entdeckt – der Player nimmt dich bei jeder Scheibe an die Hand und vermittelt dir eines der wichtigsten Grundgefühle, die man beim Musik hören überhaupt haben sollte: Spaß! Er hat definitiv keine übertrieben analytische Gangart, kitzelt dir aber gerne die klanglichen Preziosen angenehm strukturiert raus. Dabei spielt er nichts schön: wenn die Quelle schlecht produziert ist, legt er dir da keinen Zuckerguss drauf – wo schlecht drin steckt, bringt er es auch schlecht rüber. Aber das ist man ja von britisch-puristischen HiFi-Geräten auch nicht anders gewohnt.

Wie bereits erwähnt: obwohl ich gar keinen SACD-Player bislang besessen habe, mussten ein paar „Inselalben“ trotzdem schon mal in dem Format bei mir einziehen – man weiß ja nie 😇 Die hatte ich natürlich hervor geholt und sie da: die „Wish you were here“ klang auf dem NAD sehr gut – als SACD kam sie allerdings jetzt ziemlich muffig rüber. Da konnte die „Dark Side of the Moon“ schon eher punkten. Als absolutes Highlight stellte sich aber jetzt „Tubular Bells“ in den Vordergrund. Das, wie auch die anderen Alben, kenn ich aus dem FF und habe sie in verschiedensten Versionen hier. Die Oldfield auch als HalfSpeed-Master auf Vinyl. Aber erst jetzt mit der SACD wurde mir klanglich klar, warum die süßliche kleine Folk-Oper dereinst zum Soundtrack des Horror-Klassikers „Der Exorzist“ gehörte – ich habe die Musik jetzt völlig anders wahrgenommen! 😍

Natürlich wollte ich auch einige Scheiben im Vergleich hören – wie schlagen sich CD, SACD und Vinyl miteinander. Aber um es gleich schon mal vorweg zu nehmen: es ist nicht das Medium an sich, das besser oder schlechter ist als ein anderes – es ist die jeweilige Verarbeitung! Eine gut gemasterte CD kann besser klingen als eine mies dahin gepresste Vinylscheibe – es gibt da nicht einfach nur EIN Medium, das alles gut kann! Ein paar Beispiele:

Kürzlich hatte ich von Portnoy, Morse, George das Album „Cover to Cover“ erworben, das Vinyl kam gleich mit CD. Die Scheibe ist nice, solide verarbeitet und klanglich weder ein Überflieger noch ein Total-Absturz. CD und Vinyl kamen aber so was von exakt gleich durch die Boxen, dass ich gleich vermutet habe, dass beiden Medien das CD-Master zugrunde liegt. Bei der CD musste ich zum direkten Vergleich die Lautstärke leicht anheben – was aber wegen der Brüllwürfel und dem Blacky an meinem Dreher auch nicht wirklich verwundert 🤘

Bei Genesis – Duke durften dann als Vinyl das Reissue von 2018 und die SACD von 2007 gegeneinander antreten. Auch hier war kein eklatanter Unterschied zu hören, auch hier musste die Lautstärke des Arcam leicht angepasst werden. Allerdings konnte der in diesem Fall mit seinem Spaß-Faktor punkten – beim durchhören erschien mir die SACD einfach eine Spur crisper und klarer.

The Police – Synchronicity. Die SACD hatte ich schon in der Phase des Einspielens mal aufgelegt und auch da regierte schon reichlich Spaß bei dem, was aus den Boxen drang. Da ich allerdings auch die Vinyl-Box von 2018 zu Hause stehen habe, wollte ich es natürlich genau wissen, wie sich die SACD gegen das HalfSpeed-Master schlägt. Aber da musste er Silberling klein bei geben und sich verschämt hinter dem Hifi-Rack verstecken – die Vinyl-Ausgabe machte vom ersten Moment klar, wer in Sachen Klang hier die Hosen an hat 😍

Das ist natürlich alles nicht repräsentativ und von einer objektiven Wahrnehmung meinerseits wollen wir erst gar nicht reden. Aber darum geht es auch gar nicht…

Seit nunmehr etwas über vier Jahren hänge ich wieder an der Nadel. An jedem einzelnen Tag hat es Spaß gemacht, sich mit dem schwarzen Gold zu beschäftigen und auseinander zu setzen. In den 30 Jahren zuvor regierte hier die silberne Scheibe und da hat sich natürlich einiges angesammelt. Und ich rede hier ausschließlich von Alben, die mir gefallen und auch regelmäßig gehört habe. Es gab mal deutlich mehr CDs hier, aber so um die Jahrtausendwende hatte ich brutal alles aussortiert, was nicht vor meinem inneren Geschmacks-Gerichtshof standhalten konnte. Und dennoch ist da einiges zusammen gekommen…

Durch die Beschäftigung mit dem Arcam habe ich wieder Lust bekommen, mehr CDs zu hören. Laufend finde ich jetzt Alben, die ich ewig nicht in der Hand, geschweige denn im Ohr hatte. Außerdem habe ich meine silberne Sammlung ein wenig aus dem Auge verloren. So gibt es ein paar Vinyl-Anschaffungen, von denen ich dachte, ich hätte die Alben gar nicht in meinem Besitz. Die Doppler können also ruhigen Gewissens raus – wobei ich in der Regel natürlich die Vinyl-Ausgabe behalten werde. So weit geht die neue Liebe dann doch nicht 😉

Was also vom Tage übrig bleibt: es gibt kein „besseres“ Medium und egal, wie du was hörst: Hauptsache, es macht Spaß! Selbst, wenn du tiefgekühlte Hühner streamst.

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