Ich digge, also bin ich

Ihr habt es ja mitbekommen: ich habe einen neuen SACD-Player, der zudem auch zum Streamen genutzt werden kann. Nicht, dass mich der Umstand auch ansatzweise interessiert hätte, aber da ich von Natur aus ein neugieriger Mensch bin, wollte ich das Feature wenigstens mal kennen lernen. Allerdings interessierte mich weniger die Tatsache, daß ich die Musik auf meinem Rechner jetzt auch über die Anlage hören kann. Denn mal ehrlich: alles, was ich auf der Festplatte habe, steht auch im LaMös – und da hör ich doch lieber gleich das Original als einen lieblos zusammen komprimierten Murks. Ich steh halt auf den bestmöglichen Klang 😍

Entsprechend brauchte ich mich auch nicht mit der USB-Schnittstelle zu befassen. Die Möglichkeit, Internet-Radios zu streamen fand ich dagegen schon interessanter. Und ja: ich habe auch einen Tuner. UKW. Aber der steht nicht mehr in meiner Anlage. Der lief auch da immer nur „nebenbei“. Radio hören gehörte für mich nie in die Kategorie des genussvollen Musikhörens. Und da ich seit etwa 400 Tagen hauptsächlich aus meinem heimischen Arbeitszimmer meinen Lebensunterhalt verdienen muss, steht dort jetzt ein Radio zur Hintergrundbeschallung. Das ist einfach praktischer, wenn man bei Video-Calls oder Telefonaten – und man beachte die Reihenfolge 😉 – mal eben schnell die Lautstärke regulieren muss.

Aprospos Radio: da bin ich ja Fan von! Nach wie vor eines der besten Medien, die wir haben. Auch im Auto läuft es immer. Ich hab auch seit ewigen Dekaden ein altes Röhren-Radio hier stehen. Von Nordmende, Modell „Carmen“. Nein, ich nutze das nicht. Das klingt zwar total angenehm, aber die Trennschärfe der Sender ist einfach unterirdisch und stereo konnte die hübsche Carmen auch nie. Aber ich kann mich auch nicht einfach davon trennen 🤗

Wer als Teenager mit dem Kassetten-Rekorder vorm Radio gehockt hat, um seine Lieblingssongs auf Tape zu bannen, wird die Liebe zum Radio nachvollziehen zu können. Dieser stetige Kampf mit dem Radio-Moderator, er möge doch bitte nicht in den Titel quatschen, diese Hoffnung, auch ja den exakten Anfang zu finden, diese Freude, sein Tape mit Freunden zu teilen und sich auszutauschen, dieser Stolz, wenn man der erste war, der den angesagten Song jederzeit hören konnte – unbezahlbar!

Jetzt also Internet-Radio. Why not, hab ich mir gedacht und die Bedienungsanleitung meines Arcam hervor gekramt. Die war allerdings wenig erhellend: um ins Menü zu kommen, sollte man zwei Tasten auf der Fernbedienung drücken, was allerdings zu nichts führte. Die Angaben waren schlicht falsch. Aber was soll´s, so viele Möglichkeiten konnte es ja gar nicht geben und so hatte sich das Problem dann auch schnell gelöst. Meine Einstellung in Sachen Streaming bekam dadurch allerdings auch keinen zusätzlichen Euphorie-Schub…

Es brauchte dann auch eine App. MusicLife heißt die. Man kann nur hoffen, dass sich die Programmierer damit nicht die Repräsentation des Musik-Lebens auf die Fahnen geschrieben hatten – so was billiges und schlecht gemachtes hatte ich meinem Smartphone bislang erspart. Aber wenn ich mich einmal in ein Projekt reingebissen habe, dann zieh ich das auch durch. Auch wenn meine Euphorie längst das Pferd gesattelt hatte und bereits auf dem halben Weg Richtung Horizont unterwegs war, um entrückt in den Sonnenuntergang zu reiten… und ja, ich rauche Marlboro 🤠

Irgendwann hat es dann gepaßt: der Arcam und mein Smarti waren verbunden und ich scrollte durch die Liste der Internet-Radios auf der Suche nach einem Rock-Sender. Konnte man auch easy finden, anklicken und es lief über die heimische Anlage. Ich möchte nochmal darauf hinweisen, daß mir in Sachen Radio Klang nicht wirklich wichtig ist – Hauptsache, es rollen sich einem nicht die Fußnägel auf. Mir rollten sich die Fußnägel auf. Gott, das klang so Scheiße… Ich hab dann zwar noch zwei, drei Sender ausprobiert. Auch solche wie WDR 2, wo ich eigentlich von einer besseren Datenrate ausgegangen war, aber dann ging es rasend schnell: Lan-Kabel raus, App deinstalliert, Streaming begraben.

Natürlich hätte ich noch einige vorinstallierte Streaming-Dienste ausprobieren können. Ich kenn ja ne Menge Leute, die die Spotifys dieser Welt nutzen, um Alben vorhören zu können. Einige hören mittlerweile ja nur noch so. Und es kann ja durchaus sein, dass das enorm praktisch ist, alle Musik der Welt überall zur Verfügung zu haben. Und ja, ich weiß: auch da gibt es Anbieter, die klanglich höherwertige Musik anbieten. Aber ganz ehrlich: meins ist das nicht. Einfach schon aus Prinzip.

Meine Abneigung dagegen begann eigentlich schon mit der Einführung von iTunes. Damals so was wie der heißeste Scheiß, um seine Musik auf dem Rechner zu spielen. Allerdings: ich war immer eine Dose 😁 Apple hat mich mit keinem seiner Produkte je abholen können. Aber iTunes sollte laut Freundeskreis ganz weit vorne sein. Also hab ich es mal probiert. Während sich das Programm also auf meinem Rechner installierte, fing es an, meine Musikbibliothek umzusortieren… HALLO??? Meine Musik, egal auf welchem Medium, sortiert in diesem Universum und in dieser Dimension nur einer: ICH!!! iTunes flog folgerichtig noch schneller von meinem Rechner als die MusicLife App. Und Apple hatte von da an komplett bei mir verschissen.

Und genau das machen die Streaming-Dienst auch: mir erzählen, was ich gut zu finden habe, oder besser: gut finden könnte. Das ist zwar nett – aber ich entdecke lieber selber. Und ich irre mich lieber in eigener Verantwortung. Die 60 Millionen Titel in so einer Datenbank krieg ich eh nicht bis zu meinem Lebensende durch gehört. Und ich muss auch nicht alles haben, kennen, hören oder gar mögen. Dabei entdecke ich gerne neue Musik. Aber bitte im Austausch mit Freunden und Gleichgesinnten. Ich will da aufspüren, ergründen, Vorschläge bekommen, gemeinsam hören, begutachten, klugscheißen, ablehnen, streiten oder auch was völlig Fremdes ausfindig machen. Oder ich will mich auch irren – alles schon vorgekommen 🤷‍♂️ Aber ich will mich nicht durch vermeintliche Vorschläge eines Algorithmus skippen, für den ich nur aus Nullen und Einsen bestehe. Das mag bei Tinder funktionieren, aber hier nicht. Musik ist da einfach zu wichtig für ♥

Es geht noch nicht mal darum, „etwas in der Hand zu haben“. Die Spotifys deezer Welt lassen mir einfach zu viel von der „Liebe zur Musik“ vermissen. Und dem, was das alles ausmacht. Es ist einfach was anderes, ob du für einen Schwarm ein Mixtape machst oder ihr nen link mit ner Playlist im messenger schickst. Glaub mir 😎 Abgesehen davon: da hat ein Musiker irgendwo für mich und viele andere ein Stück Musik geschrieben und aufgenommen und dafür gesorgt, dass ich es hören kann. Weil das seine Berufung ist und auch sein Beruf. Dieser Musiker hat es doch einfach verdient, dass er anständig für diese Freude, die er mir damit bereitet, entlohnt wird. Ich finde das nur fair. Mit Spotify und Co. bekommt er da noch nicht mal ein tiefgefrorenes Huhn vom Aldi…

Ich freu mich darauf, bald wieder richtig diggen zu gehen. Mit Freunden. Die diese Liebe zur Musik teilen.

4 Kommentare zu „Ich digge, also bin ich

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  1. Themaverfehlung, ich weiß.
    Aber es freut mich zu sehen, dass es noch einen weiteren Menschen gibt, der die Terminplaner in Buchform schön der Reihe nach in einem Regal stehen hat.
    Und: „Die Kinder von Eden“ ist eine klasse Lektüre!

    Gefällt 1 Person

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