so long, Insta…

Der kürzeste Weg zu sich selbst führt durch die Nase

Ich weiß, ich war ein großer Fan von Instagram. Vor allem in Sachen #vinylcommunity. Doch die Lust auf Insta ist im Moment weg. Einfach so. Zunächst hatte ich gar keinen ersichtlichen Grund dafür. Und da ich manchmal einfach ein Bauchmensch bin, habe ich es mir einfach nicht erklärt und mir ohne großes Bohei eine Insta-Pause verschrieben.

Im Moment genieße ich die Abwesenheit sehr. Hin und wieder schau ich mal rein, like ein zwei außergewöhnliche Posts und beantworte auch Fragen. Aber wenn du bei Insta kaum aktiv bist, vergißt dich auch der Algorithmus. Und derzeit ist mir das auch völlig egal.

Genauso egal, wie manche Nachfragen, wenn jemand mitbekommt, dass ich gerade online bin. „Wolltest du nicht eine Pause machen?“ Ja, mache ich auch. Auf meine Art. Und es gibt überhaupt keinen Anlass, dies in irgendeiner Form zu erklären oder gar zu rechtfertigen.

Mittlerweile kann ich mir auch die plötzliche Unlust erklären. Es ist schließlich keine totale Social Media-Unlust, sondern betrifft nur Insta. Im verlinkten Artikel oben beschreibe ich ja, was Instra für mich ausgemacht hat. Das ist wahrscheinlich immer noch so, doch dann kam „Das doofe C.“

Wir alle kennen das, schließlich haben wir alle von Anbeginn an mit drin gesteckt. Kaum war man mehr zu Hause, als einem lieb war, änderte sich schlagartig das Online-Verhalten. Ich hatte mehr Zeit, Musik zu hören. Ich hatte mehr Zeit, mich darüber auszutauschen. Und da man auch weniger mit Restaurantbesuchen, Kino, Konzerten, Freunde treffen und spontanen Aktionen beschäftigt war, schrie das nach einem Ausgleich. Für einen Vinyl-Süchtigen kam natürlich noch erschwerend hinzu, dass man sich auch nicht mit Gleichgesinnten zum diggen treffen konnte…

Also habe ich online Platten gekauft. Reichlich. Lockdown und Homeoffice gierten schließlich nach Abwechslung und irgendwie musste man sich dieses neue Leben ja noch halbwegs lebenswert gestalten. Und bis hierhin lief das alles auch soweit ok. Bis auf die Tatsache, dass ich beim Musik hören mich weniger auf die Musik, dafür aber auf den Touchscreen meines Smartphones konzentrierte. Ich verzehrte mich nach Abwechslung, Austausch und Aufmerksamkeit. Vor allem Letzteres schlich sich zunehmend durch die Hintertür ein…

Ich fing an, Posts vorzubereiten. Ich fing an, darauf zu achten, um welche Uhrzeit ich posten mußte, um möglichst viel von dieser Aufmerksamkeit zu erhaschen. Ich fing an, die Motive an meinen Feed anzupassen, um ja nicht langweilig rüber zu kommen. Und ich fing an, für Posts und Stories unterschiedliche Designs zu erarbeiten. Jeder, der mir ein Like hinterließ, bekam auch eins und ich begann darauf zu achten, wer mir möglicherweise auch noch Aufmerksamkeit schenken könnte und likte Sachen, die mich eigentlich einen Scheißdreck interessiert haben.

Und dann die ganzen Challenges…

Natürlich ist das auf der einen Seite sehr unterhaltsam, da mal nachzuforschen, welche Single an deinem Geburtstag auf Platz 1 stand. Oder wann dein erstes Konzert war. Der Klassiker: drei Alben für die Insel. Ein Song mit dem Anfangsbuchstaben deines Vornamens, und, und, und. Und selbst da stockte ich irgendwann: die Aufgabe, drei Alben zu benennen, die man gerne bei Regenwetter hört. Im Nachhinein begann genau dort die zarte Pflanze meines Aufbäumens gegen Insta zu keimen: wer macht sich denn bitte Gedanken darüber, welche Musik er bei welchem Wetter hört? Genauso gut hätte man mich nach meinen drei Lieblingsalben während des Spaghetti-Kochens an ungeraden Tagen während des Vollmonds fragen können. Dabei koche ich noch nicht mal gerne…

Und ähnlich wie im Feed begann auch hier des Wahnsinns nackter Kofferträger langsam Fuß zu fassen: wer hat die Challenge schon gemacht? Wen hast du lange nicht mehr in einer Challenge getaggt? Wer hat dich in letzter Zeit so getaggt? Vergiss den Like nicht, wenn einer deine Story teilt! Muss ich seine Story jetzt auch teilen? Nicht, dass wir uns missverstehen: das steht alles nicht Grundgesetz der Vinylcommunity bei Instagram und führt bei Missachtung auch nicht zum Ausschluss jenes schönen Spiels, dass man Leben nennt – obwohl das ja eigentlich auch eine einzige Challenge ist 😉 Nein, in den Schlamassel hab ich mich selber rein manövriert!

Das ging dann noch eine ganze Weile so. Und steigerte sich auch noch im Laufe der Zeit. Selbst während Video-Chats mit Freunden schielte ich zwischendurch immer mal wieder auf meinen Insta-Account, um ja nichts zu verpassen. Wenn eine neue Platte den Weg zu mir fand, starrte ich gleich auf die Uhr und konnte es nicht abwarten, die Scheibe zu posten. Die Ungeduld, die Scheibe zu hören, trat in den Hintergrund…

Ende April trudelte dann bei mir das neue Album von Kaleo ein. Auspacken, Anlage warm laufen lassen, Fotos machen, auflegen, posten. Tags drauf fiel mir auf, dass ich nicht einen Song von dem Album im Kopf hatte. Und ich mag diese Band. Ich mag die Art, wie sie Bluesrock ihren Stempel aufdrücken. Und ich habe über ein Jahr auf das Album gewartet, da es laufend verschoben wurde. Und ich wußte noch, dass es mir beim ersten Hören sehr gut gefiel. Aber im Grunde hatte ich einfach nicht zugehört.

Also hab ich die Scheibe noch mal laufen lassen. Allerdings hatte ich auch noch ein paar Posts vorbereitet. Es gab (und gibt 😉) einige Alben, die schon eine Zeit lang im LaMös weilten und noch nicht in meinem Feed aufgetaucht sind. Da kam auch noch ein neues Album, war aber eher so ok, nicht wirklich nachhaltig. Aber es mußte auch noch raus. Schließlich wollte ich ja, dass jeder sieht, dass ich auf dem Laufenden bin… und dann, eines Abends, passierte es: mein innerer Schweinehund zeigte mir einen Vogel, schüttelte verständnislos mit dem Kopf und fragte mich, ob ich eigentlich noch alle Tassen im Schrank hätte. Zwei Minuten später erschien das hier auf meinem Account:

Kommis bekamen noch ein ♥, aber keine Erklärung. Die hatte ich schließlich selber noch nicht. Aber ich komm da langsam hinter. Das reicht mir auch. Es ist ja eigentlich auch nicht wichtig. Ist ja nur Insta.

Und nein, ich bin auf anderen Kanälen seitdem nicht aktiver.

~ Bonus-Tracks ~

Ich habe wieder mehr Lust, für meinen Blog zu schreiben.

Mir macht Musik hören wieder mehr Spaß.

~ Hidden Track ~

natürlich werde ich den Artikel in meiner Story posten 😎

~ Behind the Scenes ~

Ich habe lange über die Headline nachgedacht. Mir fiel nichts Rechtes ein. Eigentlich sollte es was mit „Weg“ werden und so suchte ich mir ein paar Aphorismen zu dem Thema. „Der Weg ist das Ziel“ ist da natürlich der Klassiker, hätte auch gepaßt, war mir aber zu abgedroschen. Das galt auch für Kästners „Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas Schönes bauen.“ Es gibt eigentlich nur zwei Weisheiten zu dem Thema, die mir auch ein Lächeln ins Antlitz zaubern: die eine ist von George Harrison, auch wenn er sie eigentlich geklaut hat 😉

Die andere s.o. 😎

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