Das böse „C“ – #Jahrestag

Kürzlich erinnerte mich Facebook an einen Artikel, den ich vor drei Jahren geschrieben hatte. Neugierig hatte ich mir den angeschaut und stellte fest: upps, da hat sich aber einiges geändert. Zeit, mal über ein Update nachzudenken. Also daran gemacht, mal die Gedanken zu sortieren – nur um festzustellen, dass ich überhaupt schon lange nichts mehr geschrieben hatte. Um genau zu sein: ein Jahr! Und der letzte Artikel fiel mir natürlich auch gleich ins Auge: „so long, Insta“. Allein die Headline schrie schon förmlich nach einem Update 🙂

Zumindest das Update geht fix: ja, ich bin wieder bei Instagram aktiver. Nein, ich lass mich nicht durch meine Geltungssucht dazu zwingen. Insta ist für mich reines Lustprinzip. Und hauptsächlich mach ich da eh nur noch Stories. Das war´s dann eigentlich auch schon mit dem Update. Zumindest zu dem Artikel 😉

Warum ich so lange nichts geschrieben habe? Ich weiß es ehrlich gesagt auch nicht. Der Lockdown hat eigentlich die besten Voraussetzungen geboten – man hatte Zeit und so ein Blog bietet ja schließlich die Möglichkeit, seine kommunikativen Defizite wenigstens halbwegs zu kompensieren. Meine Plattensammlung hat mich auch ganz schön beschäftigt – vor allem ihr Wachstum 🙂 Schließlich gab es ja kaum Alternativen zur Freizeitgestaltung. Und dennoch…

Ich will jetzt nicht von Schreibblockade schreiben. Ideen hatte ich genug, die Liste der möglichen Themen war lang. Und am Ende des Tages blieb eigentlich nur die Erkenntnis: ich hatte einfach keinen Bock. Dachte ich…

Jetzt kommen wir ja seit geraumer Zeit wieder in einen Lebenszustand, der sich zumindest im Ansatz wieder wie so was wie normal anfühlt. Man kann sich wieder freier bewegen, diggen ohne Maske ist deutlich angenehmer, die Zahlen gehen in den Keller und Homeoffice nicht mehr die einzige Möglichkeit, seinem Job nachzugehen. Aber genau diese neu gewonnen Freiheiten waren für mich erst mal ein Problem.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, heißt es. Und vor allem ich! Meine beste Ex-Ehefrau von allen kann ein leidvolles Lied davon singen 😉 Kaum war ich den Windeln entwachsen gehörte ich schon zu dem Schlag Mensch, der wirklich nicht zwingend andere Menschen um sich herum brauchte. Ich bin immer gut mir alleine klar gekommen. Natürlich habe auch ich immer ein soziales Umfeld gehabt. Das habe ich aber nie in der Kategorie „zwingend notwendig zum Überleben“ archiviert. Mich alleine zu beschäftigen, war nie ein Problem.

Das lag zum einen an meinem Umgang mit Musik. Die habe ich immer gern gehört. Schon von früh an. Andere Menschen habe ich dabei immer eher als störend empfunden. Man sitzt nicht auf seinem perfekten Hörplatz, kann nicht seine perfekte Lautstärke einstellen und in Sachen Musikauswahl geht man insgeheim schon vorab Kompromisse ein. Man kennt ja seine Pappenheimer. Das schlimmste aber ist, dass es auf diesem Globus anscheinend ausser mir keinen Zeitgenossen gibt, der mal für wenigstens für zwei Plattenseiten seine Klappe halten kann…

Gott, was war die Pandemie in der Beziehung einfach geil! ♥

Und jetzt stellt das Gewohnheitstier in mir fest: mir fehlt das. Allein die Zeit, die man sinnvoll zum Musik hören nutzen kann, anstatt zur Arbeit hin zurück fahren zu müssen. Bei mir sind das zwei Alben. Und Zeit ist in diesem Lebensabschnitt, in dem ich stecke, eh von größerer Bedeutung geworden. Mit 61 Jahren hab ich das Bergfest locker hinter mir. Wenn es etwas gibt, das ich derzeit überhaupt nicht verschwenden will, dann ist es Zeit.

So langsam schwant mir, das ich in an so einer Art von Posttraumatischer Belastungsstörung leide. Oder besser: Posttraumatischer Corona-Störung. Quasi PTCB. Keine Angst, das klingt jetzt alles dramatischer, als es eigentlich ist. Im Grunde genommen habe ich einfach nur das Problem, wieder meine prä-pandemie-bedingten Gewohnheitsmuster abzurufen. Was auch ein wenig dem Umstand zuzuschreiben ist, dass ich dem derzeitigen Freiheits-Feeling draußen noch nicht so recht über den Weg traue…

Das ist hier aber nicht das Thema. Aber das, was mir jetzt total fehlt, ist der ganze Austausch, den man zu seinem Lieblingsthema während der diversen Lockdowns hatte. Im Grunde war doch jeder froh, wenn in der Zeit mal was „passierte“ – wenn der Wocheneinkauf im Supermarkt zum Highlight wird ist man schließlich auf einem bedürftigen Niveau angekommen 😉 Und da wir alle mittlerweile Video-Calls gelernt haben, fanden davon auch privat etliche statt. Auch in meiner FB-Gruppe. Mindestens einmal die Woche rotteten sich sich ein paar Leute spontan zusammen und quatschten drauf los. Das ging manchmal bis zu drei Stunden. Das war fast wie treffen. Und auch tagsüber hatte man mehr Kommunikation auf seinen verschiedenen Kanälen.

Sind wir mal ehrlich: von den letzten drei Jahren waren die letzten zwei für den Arsch. Zeitweise war man ja froh, wenn man online was bestellen konnte, das man dann tatsächlich vor Ort abholen durfte. Das war ja eine Zeit lang schon Luxus. Auch wenn es überhaupt keinen Spaß gemacht wie „richtiges“ diggen. Aber man war ja zeitweise für jeden Brotkrumen dankbar. Oder jedes Klopapierblatt… 😉 Gut, man kann sich jetzt wieder richtig mit Gleichgesinnten treffen. Nicht, dass ich das nicht begrüßen würde. Das ist toll! Aber ich kenn halt auch ein paar Leute zwischen Hamburg und München, die mal nicht eben für ´ne Runde Schnacken im Plattenladen oder auf einer Börse vorbei kommen. Und so´n bisschen fehlt das schon.

Aprospos Diggen – damit bin ich bei dem Beitrag oben, an den mich FB erinnerte. Das war der hier: „Digitales Diggen“. Natürlich hab ich ihn gelesen, zumal mir meine eigene Headline ein wenig spanisch vorkam. War aber nachvollziebar 🙂 Nicht nachvollziehbar war für mich aber folgender Satz: „wenn ich wirklich diggen will, muß ich mich ins Auto setzen. Und dann fahre ich nie ins nahe gelegene Köln.“ Auch wenn Köln und ich nie die dicksten Freunde werden werden – den Satz kann ich definitiv nicht mehr so stehen lassen.

Zum einen hab ich vor gut einem Jahr „Black Diamond Records“ in Köln entdeckt, ganz in der Nähe vom „Saturn“ am Hansaring. Ein ganz großartig sortierter Laden mit einem leidenschaftlichen Besitzer. Vor allem gibt es dort ganz viele US- oder Japan-Importe. Es gibt immer was zu entdecken! Quasi fast um die Ecke hat jüngst ein neuer Laden aufgemacht: basic tone Records. Das Sortiment ist außergewöhnlich, der Laden ist klein und überschaubar – und vor allem: Hell! „Parallel Schallplatten“ in der Nähe vom Rudolfplatz hatte ich eh immer schon auf der Uhr.

Es geht mittlerweile also für mich auch was in der Domstadt. So weit also Update Ende. Und falls sich jemand wundert, warum es diesmal keine Fotos im Artikel gibt – so weit bin ich noch nicht. Dazu hatte ich jetzt einfach keinen Bock 😉

2 Kommentare zu „Das böse „C“ – #Jahrestag

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