Ich bin immer noch Glam-Rock

In der Regel ist das mit dem Schreiben bei mir so: mich springt ein Thema an, ich lasse es ein wenig gären, notiere mir einzelne Gedanken und eines Tages macht es dann wupp, und es fließt.

Diesmal ist es anders. Ich hatte eine Schlagzeile. Und zwar die da oben. Das war Ende Mai 2020. Seitdem steht diese Schlagzeile in den Entwürfen und mir ist in der ganzen Zeit nicht die leiseste Idee gekommen, was ich dazu schreiben soll. Im September 2021 hatte ich mich dann noch mal hier dran gesetzt. Da kam dann auch ein bißchen was – aber das war Murcks…

Ich weiß, wie es war, als mir die Schlagzeile einfiel. Ich mochte in meiner Teenager-Zeit Glam-Rock. Ich mochte Slade, T. Rex, Mud und selbst Epigonen wie die Rubettes oder Sailor. Bowie damals allerdings nicht. Den mochte ich erst mit „Let´s Dance“. Dafür Abba natürlich. Die waren zwar nie Rock, aber hatten jede Menge Glam. Und allen voran: The Sweet! Gott, waren die Geil ♥ Als ich 14, 15 war hatten mir meine Eltern damals verboten, die Bravo zu kaufen. Allerdings hatten sie sich auch nie gewundert, warum ich den kompletten Starschnitt von Sweet an der Wand in meinem Zimmer hängen hatte 😀

All diese Bands mag ich übrigens immer noch. Das komische daran ist: von all den Bands, die ich mir früher vor allem bei Mel Sondock´s „Diskothek im WDR“ im ollen Kofferradio reingezogen habe, hatte ich nie auch nur ein Album! Die Best of´s – ja. Aber die regulären Alben? Slade, „In Flame“ – ja. Mittlerweile auch als Second Hand-Vinyl, aber auch nur, weil sie mir quasi für Umme in die Hand gefallen ist. T. Rex ist (oder sind?) definitiv Glam-Rock und mal ehrlich, „Get it on“ ist ein Jahrhundertsong. Aber mir reichte die Best of. Erst vor wenigen Wochen hab ich die „Electric Warrior“ erstanden. Und ich bin mir sicher, das wird auch das einzige Vinyl-Album von ihm bleiben 😉 Nicht, dass ich ich es nicht mögen würde – Gott ja, ich mag es. Aber die Singles darauf sind für mich nach wie vor die stärksten Nummern auf dem Album. Und ich bin mir sicher, dass sich das mit anderen Alben nicht ändern wird.

Von meinen absoluten Teeny-Heroes habe ich dagegen immer noch kein Album. Auf Vinyl mittlerweile die „Strung Up“, aber das ist ja auch „nur“ ein Best of. The Sweet waren für mich immer so eine Art zusammen gebaute Teeny-Rock-Band gewesen. Was ich auch nicht wirklich schlimm fand, denn die Musik machte einfach Spaß. Mit 50 hatte ich dann mal angefangen, Schlagzeug zu spielen und auch Unterricht genommen. Von der Zeit an hörte ich Drums immer anders, schließlich wußte ich bis dahin noch nicht mal, dass so etwas wie Ghost Notes überhaupt existieren. Mit meinem Lehrer kam ich irgenwann auf das Thema Sweet und der lobte Mick Tucker über den grünen Klee – was überhaupt nicht in mein Bild einer Teenie-Band passte. Von da an mochte ich sie noch ein bißchen mehr – auch, wenn es weiterhin nie zu einem regulären Album gereicht hat.

Seltsamerweise habe ich die meisten Alben von DEM Glam-Rocker schlechthin, der allerdings damals wie gesagt komplett an mit vorbei ging. In Sachen Alben erschien David Bowie erstmals 1981 auf meinem Radar mit dem Soundtrack zu „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Aber auch nur, weil mich der Film damals massiv beeindruckt hatte. Da wollte ich den Soundtrack unbedingt haben, auch wenn er musikalisch bei mir überhaupt keine Spuren hinterließ. Das änderte sich dann zwei Jahre später. Während die Bowie-Fan-Gemeinde Zeter und Mordio schrie, hatte mich der Duke erstmals richtig an den Eiern – „Let´s Dance“ kann ich seitdem jederzeit auflegen und jedes Mal macht das Ding einfach mächtig Spaß. Nur, bei aller Liebe – Glam-Rock war er da nun wirklich nicht mehr. Und schon gar nicht mit „Tonight“. Hatte ich natürlich nach mein Let´s Dance-Flash gekauft. Und gehört. Und entsorgt. Das war´s dann erst mal mit uns.

Dafür hat Bowie mich zwölf Jahre später wieder an Eiern: mit „1. Outside“, besser gesagt mit „The Hearts Filthy Lesson“. Was für ein Mörder-Song! Und auch für das Album kann ich mich jederzeit wieder wieder erwärmen. Im Grunde genommen hatte ich das Album bloß wegen dieses einen Songs gekauft. Und genau deswegen auch Ende letzten Jahres die Box „Brilliant Adventures“. Die hat übrigens einiges in Sachen Bowie bei mir gerade geschoben – aber das wäre eine ganz eigene Geschichte 😉 Natürlich hatte ich nach Outside auch den Nachfolger wieder blind gekauft. Aber „Earthlings“ konnte ich mir noch nicht mal schön saufen. Selbst die Box konnte daran nichts ändern. Also erst mal wieder eine Bowie´sche Sendepause eingelegt. Die dauerte dann bis zum sensationellen „Blackstar“. Aber die Geschichte ist ja schon hier erzählt: „The Great Gig in the Sky“.

Abba sind wie gesagt nur Glam, aber sie haben für mich – neben den Rubettes – immer noch die beste Musik zum Autofahren gemacht. Das erste reguläre Abba-Album hatte ich vor vier Jahren auf Vinyl erstanden, „Super Trouper“. Mittlerweile stehen da einige im LaMös. Auch das letzte, „Voyage“. Ich hatte mir im September 2021 den Live-Stream zum mordmäßigen Voyage-Aufschlag angesehen und ich für meinen Teil hatte jedenfalls Pippi inne Augen. Und das ist alles andere als Glam-Rock 😉 Der beste Satz von Björn bei dem Event war: „Wir wollten ein Album machen, bevor wir tot sind. Das fühlt sich einfach besser an.“ Ich war nie der Über-Fan. Und natürlich war ich „Team Blond“ 🙂 Aber ABBA waren für mich immer der Maßstab in Sachen Pop. Das haben sie einfach unvergleichlich drauf. Und dass sie immer noch Glam können zeigt allein die Premiere der etwas zugegeben seltsamen Show in London.

Klar, in Sachen Glam-Rock gehören die Schweden hier ja eigentlich nicht hin. Und andere vielleicht schon. Aber mir geht es hier ja nicht um die Definition eines Genres, sondern um ein Gefühl.

Ich bin ja sehr wohlbehütet aufgewachsen. Exotische Lebensformen kamen bei uns noch nicht mal mit der Fußspitze in den kleinen Vorgarten des Reihenhauses, in dem ich lebte. Und plötzlich gab es Rock in androgynen Outfits – da ist so ein kleiner, pubertierender Bengel natürlich erst mal beeindruckt. Meine Eltern waren ein wenig verzweifelt, als ich ihnen ein Paar Plateau-Schuhe abgeschwatzt hatte. Ich war happy – auch wenn die Dinger so was von unbequem waren. Deshalb trag ich die auch nicht mehr. Dafür Jeans. Die sind zwar nicht Glam, aber immer noch ein bißchen Rock. Genauso wie T-Shirts. In Hemd und Krawatte fühle ich mich einfach nicht wohl.

Aber bevor ich die Glitzer-Outfits sehen konnte, war erst mal die Musik. Wie gesagt, meine Haupt-Hörquelle war das Radio und Youtube noch nicht mal ein feuchter Gedanke in den Lenden von Chad Hurley´s Großvater. Ballroom Blitz, Jeepster, Rock´n´Roll (Part 1), My Friend Stan, Dyna-mite, 48 Crash – das hab ich alles erst gehört und war geflasht, bevor ich sehen konnte, wer mich da überhaupt begeisterte. Aprospos Suzi Quatro: ich war so verknallt!!! Der kleine blonde Feger in seinem Leather-Suite hatte mir sofort die Plateau-Schuhe ausgezogen. Ich hatte sogar ein silbernes Armband, auf dem ihr Name eingraviert war. Bis sie es mit ihrem Gitarristen trieb. Das war eine herbe Enttäuschung. Und by the Way: mein erstes reguläres Album von ihr habe ich erst vor vier Wochen erstanden. „Quatro“.

Ob ich jetzt immer noch Glam-Rock bin? Keine Ahnung. Aber mir gefällt die Schlagzeile 😉

2 Kommentare zu „Ich bin immer noch Glam-Rock

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