Nie mogę się doczekać, Riverside!

Ich bin ja gar nicht mehr so der Konzertgänger. Das war übrigens schon vor Corona so. Das liegt zum Einen daran, dass ich im Laufe meines Lebens so ziemlich alles gesehen habe, was es für mich zu sehen gab. Und manche Bands natürlich auch mehrfach. Da kriegt man dann bei aktuellen Tour-Ankündigungen auch nicht mehr gleich ein feuchtes Höschen. Spontan fallen mir nur zwei Bands ein, die ich als Heiligtümer deklariert habe und nie live gesehen habe: die Beatles und Genesis mit Gabriel und Hackett. Aus nachvollziehbaren Gründen stehen die aber auch nicht wirklich auf meiner Bucket List 😉

Zum Zweiten liegt das aber auch an den „wirtschaftlichen“ Umständen. Die Ticket-Preise sind ja zum Teil utopisch, wichtiger ist für mich aber: ich habe total keinen Bock mehr auf Arena-Konzerte. Man zahlt nicht wenig, steht Gottwiedeh, sieht kaum die Bühne und man glotzt die ganze Zeit auf die Video-Leinwände – da kann ich mir das ganze dann auch auf DVD oder im Stream anschauen. Ist preiswerter, gemütlicher und man braucht nicht Ewigkeiten, um wieder aus dem Parkhaus rauszukommen 🙈 Um mich noch mal in ein Stadion zu bekommen, müssten schon echt die Pilzköpfe auftreten. Aber das hatten wir ja schon…

Mit dieser prä-pandemischen Einstellung hat dann auch selbige in den vergangenen zwei Jahren nicht wirklich für Entzugserscheinungen bei mir gesorgt. Mein letztes Konzert so far war dann auch Elbow am 13. November in der Live Music Hall zu Köln. Und es war ein tolles Konzert!!! ❤️ Kurz zuvor war ich dann noch mit ein paar Freunden Open Air auf den Kunstrasen zu Bonn. Warum das Classic Rock Nigth hieß, wenn eine Band wie Riverside auftrat, ist mir bis heute ein Rätsel, wohingegen Fish und Jethro Tull da deutlich mehr in das Line-Up passten. Um es kurz zu machen: Tull waren richtig Scheiße, Fish hat gut geliefert und Riverside hatten mich total geflasht. Dummerweise durften die nur eine Stunde spielen und mir war klar: die musste ich mir zwingend noch mal live geben! Doch dann machte ja bekanntlich das böse C erst mal einen Schlawinerstrich durch alle Rechnungen…

Um so erfreulicher, als dann die Ankündigung für die deutschen Konzerte kam. Doch die Freude währte nicht lange. Das Konzert am 15. September in Köln wäre natürlich perfekt gewesen – wenn ich an dem Tag nicht beruflich in Baden-Baden wäre. Und da die Woche eh arbeitsreich wird, fiel auch der Termin Hamburg aus. Ich weiß einfach, dass ich nach einer stressigen Woche das Wochenende zur Rekonvaleszens brauche, ich bin schließlich keine 25 mehr… 😎 Und Berlin war mir einfach zu weit weg. Da hilft dann auch die Liebe zu einer Band nicht mehr wirklich weiter. Das Fan-Boy-Gen ist mir da im Laufe der Zeit echt abhanden gekommen.

So´n bißchen angefressen war ich aber schon. Riverside hatte ich im Januar 2013 für mich entdeckt. „Shrine Of New Generation Slaves“ erschien da. Irgendein Review weckte meine Neugier, reingehört und auf den ersten Blick war ich verknallt. Die Art von Prog springt mich ja sofort an, vor allem das Bass-Spiel hatte mich gleich. Aber ganz gegen meine sonstige Gewohnheiten musste ich nicht gleich den gesamten Back-Kalatog nachkaufen, das erledigte sich im Laufe der Jahre ganz in Ruhe. Die Nachfolge-Alben von „Shrine“ waren fortan allerdings Pflicht, enttäuscht wurde ich nie.

Bis auf einmal, aber das war bei der Aufarbeitung der älteren Alben. Auf „Anno Domini High Definition“ bin ich irgendwie nie klar gekommen. Zu sehr Metal für mein Empfinden, da bin ich dann einfach raus. Selbst als das Album 2019 noch mal auf Vinyl rauskam und ich mir dachte, vielleicht kommt es dann ja sympathischer rüber – keine Chance. Ich hab´s verschenkt. Was die Band dann allerdings für mich auch zu etwas Besonderem machte. Wenn ich dir ja mein Herz schenke, dann nehme ich dich auch mir allen Fehlern. Übersetzt: selbst wenn du mal ein Scheiß-Album rausbringst, ich kaufe das, ich höre das, ich behalte das. Ich höre dich vielleicht nicht mehr, aber ich behalte dich. Anders kann ich den Verbleib von Yes´ „Heaven & Earth“ in meinem LaMös auch beim besten Willen niemandem erklären 😂 Aber da war bei „Anno Domini“ bei mir einfach nichts zu machen. Das wollte ich noch nicht mal rumstehen haben…

Und noch etwas machte Riverside für mich zu etwas Besonderem. Wenn mich eine Band anfixt, versuche ich ja gleich alles über sie in Erfahrung zu bringen. Aber auch da schien ich Zeit zu haben und beschäftigte mich eher beiläufig mit der Vita. Bis dann Anfang Februar 2021 das Debüt-Album noch mal auf Vinyl erschien. Ganz ehrlich: ich habe bis zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal mitbekommen, dass es „Out Of Myself“ überhaupt gibt! Wie gesagt, mein Fan-Boy-Gen war da wohl schon einige Zeit im Abwärtstrend begriffen. Und was ist das Album für ein geiles Teil!!!

Entsprechend ärgerlicher wurde so für mich im Laufe der Zeit der Umstand, dass ich die Band gerade auf ihrer 20-jährigen Jubiläums-Tour nicht sehen konnte. Und sie gossen ordentlich Öl ins Feuer, da sie auf ihren Social-Media-Kanälen am laufenden Meter darauf aufmerksam machten. Ich hab mir sogar die Termine im Ausland angeschaut – aber mal ehrlich: da hätte ich dann auch wirklich nach Berlin fahren können. Ich fing also langsam aber sicher an, meinen Job dafür zu hassen. Und den mach ich eigentlich gerne. Gut, ich sage auch immer, dass eigentlich das Wort „eigentlich“ eigentlich verboten gehört… 😉

Das mit dem Hassen wurde allerdings auch nicht besser, als die Band auf ihren besagten Kanälen anfing, was von Aufnahmen für ein neues Album zu präsentieren. Sprich: die Chancen, dass sie auf ihrer Jubiläums-Tour vielleicht auch einen der neuen Songs spielen, streben da ja auch nicht wirklich gen Minus unendlich. Auch, wenn ich mit dem Thema eigentlich abgeschlossen hatte – der Ärger wollte nicht verschwinden…

Kurzer Einwurf. Ich bin ein Mann. Das heißt, dass die Eigenschaft der Unaufmerksamkeit quasi in meinem genetischen Code felsenfest implementiert ist. Ich kann damit leben. In diesem Fall wäre es mir allerdings fast zum Verhängnis geworden. Wenn ich was von Tour sehe, dass mich interessiert, schau ich immer bei eventim vorbei. Da findet ja eh das meiste statt, die Abwicklung ist einfach und unkompliziert und der Mensch – allen voran ich – ist halt ein Gewohnheitstier. Also hatte ich auch bei der Causa Riverside dort nachgeschaut. Dann fiel mir allerdings auf, dass dort ein Konzert nicht angeboten wurde: Karlsruhe. Das ging wohl direkt über die location.

Ich habe die Stones im Bois de Bologne gesehen. Billy Joel im Central Park. Pink Floyd in den Gärten des Gestüts von Ludwig XIV, also Paris. Genauer Senlis. Mal ehrlich: mit solchen Locations kann man hausieren gehen. Aber mit Karlsruhe??? Gut, ich kenn die Stadt nur von Durchfahrten mit dem ICE. Aber jede Minute Aufenthalt auf dem Bahnhof ist eine Minute zu viel. Es sieht einfach Scheiße aus.

Ich fing an, mich mit Karlsruhe zu beschäftigen. Das Konzert soll an einem Samstag stattfinden, also genug Zeit, um da vielleicht doch irgendwas Ansprechendes zu entdecken. Oder um ehrlich zu sein: ich wollte wissen, ob es da überhaupt einen Plattenladen gibt. Gibt es, und zwar nicht nur einen, sondern gleich fünf. Drei Stunden Autofahrt schocken mich jetzt auch nicht so wirklich. Und da ich eh an seniler Bettflucht leide, stand der Plan recht schnell fest. Mittags ankommen, bis 21 Uhr genug Zeit, um sich um´s Diggen und Nahrungsaufnahme zu kümmern, das Hotel fußläufig zur Location. So fühlt sich für den alten Mann Rock´n´Roll an 🤘

Ich kann es kaum erwarten ❤️ Nie mogę się doczekać, Riverside!

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